Kindersoldaten, Diamantenschmuggler und  grausame Milizen, die Gefangenen  die Hände abhackten, machten einst den westafrikanischen Staat Sierra Leone  zur Hölle auf Erden. Im Jahr 2000 schickte Tony Blair ein paar tausend Soldaten. Heute gilt Sierra Leone als eines der weltweit besten Beispiele für Versöhnung und Wiederaufbau. Längst haben die Briten das Land verlassen.

Dass sich diese Erfolgsgeschichte in Mali wiederholen möge ist der sehnlichste Wunsch  des französischen Präsidenten Francois Hollande, der selbst nie auf militärische Abenteuer aus war.  Die Militärstrategen in Paris quält dagegen die Sorge vor Sahelistan, einem französischen Afghanistan in der Wüste. Denn  die  Milizionäre, die  Malis Hauptstadt Bamako fast überrannt hätten,  sind mit dem islamistischen Untergrund der Region gut  vernetzt.

Seit Jahren warnen Terrorexperten vor den  in Westafrika operierenden Al Kaida Gruppen des Maghreb. Die USA haben 450 Millionen Dollar ausgegeben, um die Streitkräfte von Mali im Antiterrorkampf zu schulen. Das Programm scheiterte, als ein US-Militärschüler putschte, die Armee  zerfiel und sich  mehrere  malische Touareg-Offiziere auf die Seite der Rebellen schlugen. Aus ethnischen Gründen. Dissidente Clans des Wüstenvolks der Touareg hatten sich mit den Dschihadisten verbündet.  Ausrüstung  und Geld kommen aus Libyen, wo viele Touareg als Söldner  Gaddafis gedient haben. Beim Sturz des Diktators räumten sie die Waffenlager aus.

Al Kaida ist ein Netzwerk des islamistischen Internationalismus. In den Pick Up Trucks der Rebellen  sitzen Kämpfer aus Marokko und Algerien, Jemen und Pakistan.  Die Wüstengebiete zwischen dem Norden Malis, Algerien und  Mauretanien sind extrem dünn besiedelt.  80 Prozent der Bevölkerung Malis leben dagegen im Süden. Die Dschihadisten im Norden werden von vielen als   Eindringlinge empfunden.

Frankreich kann bei seiner Intervention  daher  auf breite Zustimmung zählen.

Hätte sich  Francois Hollande im kritischen Augenblick nicht zum Eingreifen entschlossen, wäre die Hauptstadt Bamako heute  in den Händen der schwer bewaffneten Milizionäre.  Die Schreckensvision eines Staates als Hinterland für die extremsten Fanatiker  sitzt allen Regierungen in den Gliedern. Gehört nicht auch  Boko Haram, die für ihre Massaker an Christen berüchtigte nigerianische Sekte, zu den Verbündeten der Rebellen?

Militärisch bleibt Frankreich trotzdem auf sich alleine gestellt. Nur Transportflugzeuge werden  von mehreren Staaten zur Verfügung gestellt.  Die afrikanische Einsatztruppe, die von der UNO grünes Licht bekommen hat, wird  erst nach Monaten kampfbereit sein.

Besonders groß ist der Widerspruch in der Europäischen Union. Dass  Chaos in Westafrika ein riesiges Sicherheitsproblem für Europa wäre, ist Konsens. Frankreich handelt für uns alle, flötet Angela Merkel. Aber eine gemeinsame Eingreiftruppe fehlt. Mali legt schmerzlich die Lücken der Europäischen Sicherheitspolitik zu Tage.

Rein theoretisch  könnte die EU auf die vieldiskutierten  EU-Battlegroupes zurückgreifen. Alle sechs Monate üben Soldaten aus verschiedenen Mitgliedsstaaten internationale Hilfseinsätze unter einem gemeinsamen Kommando. Zur Sicherung von Flüchtlingslagern oder zum Schutz von Verkehrswegen wären diese Einheiten gut geeignet.   Seit Anfang  2013 stellen Deutschland, Frankreich und Polen eine Battle Group mit einer Stärke von 1500 Mann. Der  Wehrsprechers der Europäischen Volkspartei,  CDU-Europaabgeordneten Michael Gahler, plädiert dafür, der europäischen Einheit den Marschbefehl in Richtung Westafrika zu geben. In den betroffenen Verteidigungsministerien wurde der Vorschlag bisher nicht einmal ignoriert.

Es ist eine Binsenweisheit, dass Kriege meist anders verlaufen, als die Planer glauben. Aber Interventionen von außen können auch gut ausgehen.  Die Erben des arabischen Frühlings sind die demokratischen Islamisten, die in Tunesien und Ägypten am Ruder sind, und nicht der extremistische Untergrund. Nach anfänglichem Zögern hat sich auch die frei gewählte islamistische  Führung Tunesiens hinter den neuen „Krieg gegen den Terrorismus“ gestellt. Der vielkritisierte  Begriff  aus der Zeit George W.Bushs erlebt ein überraschendes Revival.

Auch Charles Taylor, der mit seinen Blutdiamanten  die Kindersoldaten von Sierra Leone  finanzierte, schien  unbesiegbar, weil er  in der westafrikanischen Stammeswelt gut verankert war. Vom internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wurde Charles Taylor vor wenigen Jahren schuldig gesprochen und   zu 50 Jahren Haft verurteilt.