Man kennt die Szenen immer wieder aus  europäischen Städten: Taxifahrer, die sich gegen Liberalisierungsschritte  wehren und flächendeckend den Verkehr blockieren. Taxistreiks gibt es jetzt erstmals auch in mehreren Städten Chinas. Die offiziellen Medien lassen sogar eine gewisse Sympathie für die Anliegen der Fahrer durchblicken. Die Taxifahrerstreiks zu Jahresbeginn sind Ausdruck einer zunehmenden Zahl von Arbeitskonflikten im Reich der Mitte, berichtet Raimund Löw.

Begonnen haben die  Streiks der chinesischen Taxifahrer schon letzte Woche. In der südchinesischen   Millionenstadt Nanjing haben  tausende Passagiere tagelang bei Bahnhäfen und am Flughafen vergeblich nach den gewohnten  Transmöglichkeiten gesucht. Auf ein halbes Dutzend  Städte in ganz China hat sich die Bewegung inzwischen ausgeweitet. In der Provinzhauptstadt Changchun im Nordosten ging die Polizei gegen die Streikenden vor und es gab Festnahmen. Stundenlang war wichtige Straßen blockiert.

  Der Protest richtet sich gegen abenteuerlich hohe Gebühren, die die Fahrer den Taxifirmen bezahlen müssen, die zumeist mit den lokalen Wirtschaftsmagnaten verbunden sind. Auslöser war ein Dekret der Regierung in Peking einen Zuschlag auf dem Taxometer zu streichen, der ursprünglich wegen der hohen Benzinpreise eingeführt wurde.

  Dass der Funke des Protests  sich so rasch ausweitet hängt mit dem  Informationsfluss im Internet zusammen, der nicht so leicht zu lenken ist wie die offiziellen Medien. Jetzt berichtet auch das Zentrale Chinesische Fernsehen über die Taxistreiks.

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Sogar ein Taxifahrer kommt in den zentralen Nachrichten zu Wort, der klagt, 1000 Yuan wird er  diesen Monat verlieren, weil die Taxometer zum Nachteil der Fahrer umgestellt wurde.

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Taxifahren ist billig in China, aber die Fahrer sind notorisch schlecht bezahlt. Nach einer aktuellen Statistik liegen ihre Löhne noch unter dem Durchschnitt im Land.

   Massenstreiks sind inzwischen keine Seltenheit mehr in China. Vertrauenswürdige Statistiken gibt es wenig. Eine in Hongkong angesiedelte NGO geht davon aus, dass es im Herbst letzten Jahres auf dem Festland drei Mal mehr Streiks gegeben hat, als zuvor. Ein spektakulärer Massenstreik in Südchina im vergangenen Frühjahr mobilisierte 12 Tage lang 40 000 Schuharbeiter eines riesigen Konzerns, der Sportschuhe für internationale Marken produziert. Die Arbeiter wehrten sich dagegen, dass  Rücklagen für Pensionen und Sozialleistungen plötzlich viel kleiner waren, als ausgemacht.

   Die Zeiten scheinen vorbei, in denen  chinesische Arbeiter bereit sein mussten, auch unter den schlechtesten Bedingungen zu arbeiten, weil die Unternehmen immer auch neuen Arbeitskräftenachschub vom Land setzen konnten. Das chinesische Wirtschaftsmodell verändert sich. Besser qualifizierte Arbeitskräfte sind gefragt, das schafft ein besseres Kräfteverhältnis für die Belegschaften. 

  Bei den Taxifahrern kommt die Konkurrenz von Taxi-Onlinediensten dazu, die oft besser funktionieren als die traditionellen Taxifirmen. Auch der aus Kalifornien kommende Taxi-Onlinedienst Uber ist in China aktiv, genauso wie ähnliche chinesische Onlineunternehmen. Die Regierung in Peking hat verfügt, dass Privatautos für Taxi-Onlinedienste nicht verwendet werden dürfen.  Es muss eine gültige Taxi-Konzession geben.  Diese Konzessionen sind aber häufig wieder unter Kontrolle der  etablierten Taximonopole, die für ihren schlechten Service bekannt sind und Fahrer ausbeuten.

  Das ganze Taxi-System muss von Grund auf reformiert werden, liest man in der offiziellen Volkszeitung, damit der  Markt entscheiden  kann, was passiert.  Die mit den lokalen Wirtschaftsmagnaten verbundenen Taximonopole sind offensichtlich auch vielen in der Zentrale in Peking ein Dorn im Auge.