Neben dem Terror ist Griechenland das zweite große Thema in Europa. Wenige Wochen vor den Parlamentswahlen wird  wieder einmal über Pro und Contra der Zugehörigkeit Griechenlands zum Euro diskutiert. Die Verunsicherung wird auch im Rest der Welt registriert. In einer umfangreichen Studie sagen in Peking  Experten des Instituts für Internationale Studien voraus, dass die aufstrebende  Wirtschaftsmacht China in Zukunft mit einem deutlich geschwächten Europa konfrontiert sein wird, wenn Griechenland den Euro tatsächlich verlässt.

  Die Politikwissenschaftler erarbeiten Grundlagen für das  Außenministerium und sie kommen zum Schluss, dass China in Zukunft einem deutlich geschwächten europäischen Block gegenübersteht. Das Misstrauen zwischen den EU-Staaten wächst, analysieren die Experten, und die langwierigen internen Entscheidungsprozesse in Europa sind kein Vorbild für andere Regionen.

  Koautor Cui Hongjian, der führende EU-Experte Chinas, sagt, , in der Finanzkrise sei Europa selbst zum Problemfall geworden.

  Die Entscheidungsträger in China müssen die Unsicherheiten in Europa berücksichtigen. Europa ist dabei für China zum Teil des Problems und nicht der Lösung zu werden. 

Dass kurz vor den Parlamentswahlen in Griechenland wieder eine Diskussion über  einen Austritts  aus der Eurozone diskutiert wird, ist für den chinesischen Europaexperten der Beweis, dass die Europäer ihren Weg noch nicht gefunden haben.

  China setzt auf den Erfolg des Euro, sagt Cui Hongjian,

denn gerade in der Finanzkrise hat sich gezeigt, dass die  Vorherrschaft des Dollars als  einziger internationaler Währung  nicht gut ist. Es ist  gut eine bessere Wahl in Europa zu haben.

Der Austritt Griechenlands aus dem Euro wäre ein sehr sehr großer Schlag für den Euro.  Das ist ganz und gar nicht im Interesse Chinas.

  Um die Europäer bei der Bewältigung der Finanzkrise zu unterstützen, haben chinesische Banken Staatsanleihen der angeschlagenen Südstaaten gekauft.  Bei Beginn der Privatisierungen kaufte sich ein staatliches Konglomerat im Hafen von Pireaus ein. Postwendend kam Kritik, dass China  Brückenköpfe bauen will, um geopolitischen Einfluss auf den gesamten Kontinent zu gewinnen.

  Der Europaexperte weist diese Anschuldigung zurück.

Natürlich gibt es immer Kritik, wenn China etwas tut, mit solchen Misstrauen muss man rechnen. Wir kennen diese Ängste,  China könnte die EU spalten wollen. Sie sind aber völlig unbegründet. Was  stimmt ist, dass sich China  verstärkt engagieren möchte in Europa. Aber zu mehr als 90 Prozent geht dabei um wirtschaftliche Zusammenarbeit und nicht um Geopolitik.

 China will beim Ausbau der Infrastruktur mitspielen. Hafenanlagen im Süden und in Zukunft vielleicht auch Hochgeschwindigkeitszüge in Mitteleuropa schweben dem Experten vor. An dem von Kommissionspräsident Jean Claude Juncker geplanten Investitionsfonds könnte sich China durchaus beteiligen, wenn einmal feststeht, wie der Fonds genau aussieht.

Für Außensicht auf Europa wird es entscheidend sein, dass die Integration weitergeht. Was mit Griechenland passiert wird ein sehr wichtiges Signal sein, ob der Traum eines vereinten Europas noch am Leben ist. Wenn die Europäer dieses Problem meistern,  wird das der Außenwelt helfen das Vertrauen in die EU als starker internationaler Machtfaktor zurück zu gewinnen.

Argumentiert Cui Hongjian, der führende Europaexperte Chinas.

 

 Zumindest in der Friedenspolitik ist die Europäische Union nach wie vor ein gutes Beispiel auch für andere Kontinente, sagt der chinesische Experte.   Von der in Europa erreichten engen Zusammenarbeit ehemaliger Feinde ist man in Asien noch weit entfernt.