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In der Eurozone geht heute eine Ära zu Ende. Jean Claude Juncker, der luxemburgische Ministerpräsident und bisher einzige Chef der Euro-Finanzminister, räumt seinen Stuhl. An die Stelle Junckers wird der junge niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem treten.
Wenn Jean Claude Juncker heute Abend gemeinsam mit seinem Nachfolger vor die Presse tritt, dann werden in Den Haag die Champagnerkorken knallen. Dieses Szenario wäre noch vor wenigen Monaten undenkbar gewesen. Doch jetzt ist Jeroen Dijsselbloem, der wenig bekannte Politiker mit dem markanten Wuschelkopf, der Kompromisskandidat der Euroländer. „Die Eurogruppe ist eine wichtige Plattform um die Eurozone zu stabilisieren und die Grundlagen zu neuem Wachstum zu legen“, so begründert der 46 jährige sein Interesse an dem schwierigen Job.
Finanzminister ist Jeroen Dijsselbloem erst seit elf Wochen. Als eines der wenigen verblieben Triple-AAA-Länder des Euroraumes gehören die Niederlande zu den mit Deutschland verbündeten Hardlinern. Als Sozialdemokrat wird der neue Mann aber auch in dem auf Solidarität pochenden Süden akzeptiert.
Stratege der „Roten Ingenieure“
Dijsselbloem ist eigentlich gelernter Agrarökonom. Der Vater zweier Teenager lebt am Land, zu Hause hält er ein Pferd und ein paar Schweine. Politisiert wurde er während des Kalten Krieges, in der Friedensbewegung der Achtzigerjahre, als Zehntausende gegen die sogenannte Nachrüstung der NATO auf die Straße gingen.
Seinen politischen Aufstieg begann Jeroen Dijsselbloem als einer der sogenannten Roten Ingenieure, die vor Jahren für eine Modernisierung der traditionsreichen niederländischen Partei der Arbeit durchs Land zogen. Der heutige sozialdemokratische Parteichef, der mit den Rechtsliberalen in Den Haag eine große Koalition gezimmert hat, war der Anführer dieser Gruppe. Der zurückhaltende Dijsselbloem galt als der heimliche Stratege.
Gewiefter Verhandler
Im Parlament in Den Haag war er vor allem als Kämpfer gegen Gewalt bei Musikvideos aufgefallen. Im Kreis der Eurofinanzminister konnte der Neue aber rasch sein Geschick als gewiefter Verhandler beweisen, der gleichzeitig aber der niederländischen Tradition des Sparens treu bliebt. „Es handelt sich um eine wichtige Position, für die es genügend Unterstützung auch in den Niederlanden gibt“, so der Eurogruppenchef in Spe, den neuen Job geht er mit Optimismus an.
Schließlich war auch der skeptische französische Kollege von Jeroen Disjsselbloem überzeugt. Am Votum der Eurofinanzminister für den gestrengen Niederländer als Nachfolger des bunten Euroveteranen Jean Claude Junckers besteht inzwischen kein Zweifel mehr.