Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel nehmen von Tag zu Tag zu. US-Präsident Trump hat Kriegsschiffe in die Region beordert, er spricht von einer Armada. In Nordkorea ist das Scheinparlament zu seiner Jahrestagung zusammengetreten. Nordkorea warnt, das Land wird Atomwaffen einsetzen, wenn es von den USA angegriffen ist.  Der Hass auf Amerika ist Staatsideologie in der Demokratischen Volksrepublik Korea.

Aus den Lautsprechern kommt die Botschaft, dass jederzeit ein Krieg ausbrechen kann. Seit dem Ende des Koreakrieges vor 60 Jahren gehört das zum  Alltag.

In Begleitung der beiden offiziellen Pressebetreuer, sprechen wir spontan einen Pensionisten auf einem Sportplatz an, ich will wissen, ob er von Donald Trump gehört hat?

Klar, er ist informiert, sagt der Pensionist, aber wer in Amerika Präsident ist,  kümmert ihn wenig. Wir setzen auf  Selbstverteidigung und Autarkie. Unser Ziel ist die nationale Vereinigung mit Südkorea.

Unter der brillianten Führung des obersten Führers Marschall Kim Jong Un wird es zu dieser Vereinigung auch kommen, sagt der Pensionist in Pjöngjang.

In einem Staat, der die Bürger total kontrolliert, weicht niemand von der offiziellen Linie ab.

Die detaillierten Fragen für ein offizielles Interview habe ich  Wochen vor der Abreise eingereicht. Ein  hochrangiger Vertreter des nordkoreanischen Außenministeriums kommt zum Gesprächstermin in das Ausländerhotel, in dem wir untergebracht sind.

Ob Nordkorea tatsächlich mit einem atomaren Erstschlag gegen die USA droht, will ich von dem für Abrüstung zuständigen Spitzendiplomaten Ju Wang Hwan wissen?

Unsere Streitkräfte haben angesichts der angespannten Situation erklärt, dass wir beim kleinsten Versuch unsere Führung durch einen Enthauptungsschlag auszuschalten und unser Raketenpotential zu zerstören, erbarmungslos zurückschlagen werden.

Solange die die USA und ihre Verbündeten solche Pläne hegen, werden wir die Politik des Erstschlages niemals aufgeben, so der nordkoreanische Vertreter.

Für den amerikanischen Präsidenten wäre der Test einer nordkoreanischen Interkontentalrakete, die bestückt mit Atomwaffen Amerika erreichen könnte, die rote Linie, bei der Trump reagieren müsste. Ich frage, wie die Gefahr einer solchen Konfrontation vermieden werden kann?

Der nordkoreanische Ministeriumssprecher Ju Wang Hwan macht wenig Hoffnung auf Entspannung:

Die Vorbereitungen zum Test einer Interkontinentalrakete sind abgeschlossen. Wenn sich an der feindlichen Politik uns gegenüber nichts ändert, werde es bei dieser Haltung bleiben. Die USA müssen zugeben, dass wir eine Atommacht sind und ihre Manöver und andere militärische Vorbereitungen gegen unser Land einstellen, so Ju Wang Hwan.

Dass auch China ein Ende der nordkoreanischen Atomrüstung verlangt und zur Strafe Kohleexporte einstellt, entlockt dem Ministeriumssprecher in Pjöngjang nur die Versicherung, dass sich die Demokratische Volksrepublik Korea souverän ist und selbst über die Verteidigung des Landes entscheidet.

Die Bürger Nordkoreas sind Marschmusik und Kriegsrhetorik gewohnt und  abgestumpft. Wie sehr ihnen der Ernst der Lage bewusst ist, lässt sich von außen nicht beurteilen.