In Südkorea ist die ehemalige Präsidentin Park Guen-hye diese Nacht verhaftet worden. Die spektakuläre Inhaftierung erfolgte wenige Wochen nach der Absetzung der konservativen Staatschefin. Monatelange haben in Südkorea Gegner und Anhänger demonstriert.

Völlig überraschend ist die  Verhaftung der ehemaligen Präsidentin nicht. Zehn Stunden lang war Park Guen-hye gestern ununterbrochen verhört worden. Trotzdem ist es eine schockierende Nachricht für die aufgewühlte Nation, dass die stolze Frau, die noch vor vier Wochen im Präsidentschaftspalast residierte, die nächste Zeit in einer kargen Gefängniszelle verbringen wird.

  Um 3 Uhr Nachts verhängt das Gericht  die Untersuchungshaft. Die erste Präsidentin Südkoreas wurde direkt vom Gerichtsgebäude in ein Gefängnis am Rand der Hauptstadt Seoul gebracht.  Ermittelt wird wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch und Bestechung, weil Park ihrer besten Freundin wirtschaftliche Vorteile zugeschanzt haben soll.  Nach der Amtsenthebung hat die ehemalige Präsidentin auch die Immunität verloren.

  Es ist ein tiefer Fall für die  Tochter eines früheren Diktators, die das Land vier Jahre lang streng konservativ  geführt hat.  Gegenüber dem mit Atomwaffen drohenden Nordkorea verfolgte sie einen harten Kurs.  Der Skandal um die enge Freundin, die Park Guen –Hye  illegalerweise in die Staatsgeschäfte eingebunden hat, hat monatelang Hunderttausende zu Protesten auf die Straße getrieben.  Die Chaebols, Südkoreas mächtige Wirtschaftskonglomerate, hatten an die Stiftungen der Freundin hohe Summen gespendet, im Gegenzug bekamen sie Vorteile von der Regierung.

Aber seit Wochen demonstrieren auch die konservativen Anhänger, für die Park Guen-Hye ein Symbol des wirtschaftlichen Aufstieg Südkoreas ist. Die Verhaftung vertieft die Spaltung des Landes. Bei den im Mai bevorstehenden Präsidentschaftswahlen hat der linksliberale Oppositionsführer Moon Jae-in gute Chancen. Moon will einen Dialog mit Nordkorea und strengere Kontrollen für  die Wirtschaftsriesen. Die Inhaftierung der Ex-Präsidentin begrüßt er als Zeichen eines funktionierenden Rechtsstaates in Südkorea.