Mehr als eine Woche ist es her, dass der ältere Halbbruder von Nordkoreas Kim Jong Un in Kuala Lumpur umgekommen ist. Die malaysische Polizei hat jetzt erstmals erste Ergebnisse der Obduktion des Leichnams bekannt gegeben. Danach wurde der Mann durch Nervengas getötet.

Nur von den USA und Russland wusste man bisher  offiziell, das sie das bei dem Anschlag verwendete Nervengase VX in ihrem Arsenal führen.

VX gilt als das gefährlichste Giftgas der Welt. Man kann es nicht riechen und nicht schmecken. Schon winzige Tropfen rufen nach kurzer Zeit Lähmungserscheinungen hervor und führen zum Tod. Die malaysische Polizei sagt, dass Spurenelemente des chemischen Kampfstoffes im  Gesicht und in den Augen des Toten gefunden wurden.

Auf der Liste der Massenvernichtungsmittel der Vereinten Nationen steht  VX  ganz oben. Zivile Verwendung gibt es keine, nur Staaten produzieren das im Gesicht des Toten entdeckte Kampfmittel.

Wie das Nervengas nach Malaysia gekommen sein soll und wer es vor mehr als einer Woche auf den Flughafen von Kuala Lumpur gebracht haben soll, sagt der Generalsinspektor der malaysischen Polizei nicht. Die Ermittlungen laufen. Malaysia verstärkt mit dieser Mitteilung  den Verdacht in Richtung Nordkorea.

Erklärung, wie  genau die beiden Frauen die hochgiftige Substanz in das Gesicht ihres Opfers geschmiert haben sollen, ohne sich selbst extrem zu gefährden, gibt es von malaysischer Seite keine. Einer der Frauen sei schlecht geworden, heißt es. Schon der Bruchteil eines Grams der öligen  Substanz ist tödlich.  VX dringt über die Atemwege oder durch die Haut in den Körper ein.

Auf Bildern der Überwachungskameras ist zu sehen, wie die Angreiferinnen das Gesicht des  ahnungslos herumstehenden Kim Jong Nam mit bloßen Händen attackieren. Der malaysische Polizeisprecher sagt, unmittelbar darauf hätten sich die jungen Frauen die Hände gewaschen. Internationale Toxikologen rätseln, wie sie unbeschadet bleiben konnten.

Nordkorea wirft den malaysischen Behörden böswillige Manipulation im Auftrag Südkoreas vor und bestreitet, dass die polizeilichen Ermittlungen unparteilich und objektiv durchgeführt werden. Bevor sich der südkoreanische Geheimdienst eingeschaltet habe, sei auf malaysischer Seite von einem Herzinfarkt und damit einem natürlichen Tod die Rede gewesen sein.

Die Vorstellung, dass fremde Agenten Kampfgas für ein Attentat mitten in einem belebten Flughafengebäude eingesetzt haben, wird die politischen Spannungen  rund um den Tod Kim Jong Nams weiter erhöhen.