In Südkorea ist der de facto Chef des Elektronikkonzerns Samsung verhaftet worden. Dem Wirtschaftsboss wird Korruption und Bestechung im Zusammenhang mit der Affaire rund um die inzwischen suspendierte Präsidenten Park vorgeworfen. Es ist ein neuerlicher schwerer Schlag für den Weltmarktführer bei Smartphones, der schon wegen brennender Batterien in seinen Handies in Schwierigkeiten gekommen ist.

Für Korea ist die Festnahme des 48 jährigen Samsung Erben und inoffiziellen Firmenchefs ein Donnerschlag. Die sogenannten Chaeobols, Südkoreas Großkonzerne haben den wirtschaftlichen Aufstieg des Landes  geprägt, sie gelten als die eigentliche Macht im Staat. Korruption und Misswirtschaft wird ihnen seit langem vorgeworfen, aber noch nie hat ein Gericht es gewacht einen Superboss zur Verantwortung zu ziehen.

Der junge Lee Jae Yong führt bei Samsung seit Jahren die Geschäfte. Sein Vater, der Firmengründer,  ist  schwerkrank. Ermittelt wird gegen den Elektronikriesen schon seit mehreren Monaten, genauso wie gegen  andere südkoreanische Chaebols. Das Bezirksgericht von Seoul hat dem Haftantrag der Staatsanwaltschaft stattgegeben, weil zusätzliche Beweise für die Verwicklung um den Korruptionsskandal rund um Präsidentin Park Geun Hye aufgetaucht seien. Gegen Park läuft ein Amtsenthebungsverfahren, das seinen Schatten auf die gesamte südkoreanische Elite wirft.

Samsung soll Millionen in die Stiftungen einer mysteriösen Freundin der Präsidenten gezahlt haben. Im Gegenzug habe die Regierung eine umstrittene Fusion zweiter Konzerntöchter genehmigt. Der Tochter besagter Freundin, die eine passionierte Reiterin ist, soll Samsung in Deutschland einen Reitstall gekauft haben.

Samsung weist diese Vorwürfe zurück, aber die Liste der Vorwürfe  in der Öffentlichkeit ist lange. Täglich demonstrieren Gewerkschaften und Umweltaktivisten vor der Konzernzentrale in Seoul, die der Firma verbotene Geschäftspraktiken vorwerfen.

Die Justiz hat lange gezögert, einen derart prominenten Wirtschaftsboss wie den Samsungchef, zu verhaften. Für das Amtsenthebungsverfahren der Präsidentin Park ist das ein böses Omen. Auch gegen andere südkoreanische Chaebols wird ermittelt. Die Justiz Südkoreas ist aufgewacht. Der Sturz von Präsidentin, der durch wochenlange Antikorruptionsdemonstrationen ausgelöst wurde, erweist sich als Einschnitt für das gesamte südkoreanische Entwicklungsmodell.