In den USA hat es keinen Flüchtlingsstrom gegeben. Anders als bei den Europäern gibt es  kein fernes Brüssel, von dem man behaupten kann, dass es die Amerikaner quält. Trotzdem ist Amerika mit Donald Trump zur Vorhut eines globalen politischen Trends geworden. Der Kandidat, eigentlich Vertreter der  Partei des konservativen Establishments, weigert sich sogar den Wahlvorgang selbst als demokratisch zu akzeptieren. Falls er verliert. Er verspricht die Konkurrentin einzusperren. Allein die eigene Fangemeinde ist für ihn das Volk.

  Trumpismus ist der Faschismus unserer Zeit. Latent gewaltbereit, aber noch ohne die rechtsradikalen Schlägertruppen des früheren Jahrhunderts. Das Sammelsurium von Nationalismus, Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Hass hat es auch früher gegeben. Die Bedeutung Trumps kommt von der erfolgreichen Übernahme der Republikaner durch den schillernden Demagogen.  Eine warnende Botschaft an  Mitterechtsparteien auch in Europa, die glauben, dass sie  durch ein Bündnis mit der umstürzlerischen Rechten gegen linksliberale Parteien  punkten können.

  Die Konstellation Trump-Clinton wird es in einen halben Jahr  unter etwas veränderten Vorzeichen auch in Europa geben. Sie wird wahrscheinlich Le Pen-Juppe oder Le Pen-Sarkozy heißen, je nachdem wer  die Vorwahlen bei den französischen Konservativen gewinnt. Amerika hat mit Clinton zumindest eine Alternative aus dem linksliberalen Establishment, die als Frau eine Symbolfigur für die Zukunft ist. Die Abwehr des rechtsrechten Ansturms wird in Frankreich ähnlich dramatisch verlaufen wie in den USA. In den 1930-er-Jahren hat es Faschisten nicht nur in Deutschland und Italien gegeben, sondern ähnliche Figuren auch in den USA (Charles Coughlin),  Frankreich (Jacques Doriot) und Großbritannien (Oswald Mosley). Ähnlich sind wir auch heute mit einem globalen Phänomen konfrontiert.

  Der Trumpismus liebt Putin. Bei Le Pen und Strache ist die Bewunderung für den russischen Präsidenten irgendwie nachvollziehbar. Frankreichs Nationale Front lebt von russischen Krediten. Die Reduktion Europas auf das christliche Abendland ist eine Masche, mit der  sowohl Deutschnationale als auch  russische Chauvinisten operieren. Beim amerikanischen Geschäftsmann Trump ist die Schwäche für Putin  schwer verständlich. Für die USA ist das russische Machtgehabe eine Herausforderung. Die ständige Putin-Apologie bringt Trump nicht einmal Stimmen. Sogar die Warnung  des US-Geheimdienstchefs, das Moskau einen Internetkrieg zu seinen Gunsten führt, kann den Kandidaten nicht von seiner Sympathie abbringen. Zwischen dem russischen Machtmenschen aus der  KGB-Schule, der gerne mit  seinen Atomwaffen angibt, und den Rechtspopulisten der Welt scheint es eine Geistesverwandtschaft zu geben, die rational schwer nachvollziehbar ist. Ziemlich beunruhigend.

  Meinungsforscher und politische Beobachter müssten total daneben liegen, wenn am 9.November nicht Hillary Clinton die Siegerin wäre. Auch im Kongress kann es einen großen Umschwung zugunsten des linksliberalen Lagers geben. Der Trumpismus wird damit nicht verschwinden. Die rassistischen, sexistischen und nationalistischen Reflexe in der Politik werden bleiben. Aber  bürgerkriegsähnlichen Widerstand gegen Präsidentin Hillary Clinton wird es nicht geben. Die amerikanischen Wutbürger, weiß und zumeist älteren Semesters,  sind an Straßenkämpfe nicht gewohnt. Mit einem gescheiterten Donald Trump kann möglicherweise die rechtspopulistische Welle ihren Zenit erreichen. So gut wie für den Milliardär und TV-Star werden die Sterne für keinen Rechtsaußenkandidaten mehr stehen. Marine Le Pen wird in Frankreich bei ihrem Kampf für den Umsturz auf ähnlich soliden Widerstand stoßen.

  Die Verteidiger von Sozialstaat, liberaler  Demokratie und internationale Solidarität werden  nach einer Niederlage Trumps die Chance haben aus der Defensive zu kommen. Die Regierung in Washington hat, vorausgesetzt der Kongress macht mit,  viele  Instrumente für eine soziale Wirtschaftspolitik.  Bei den Demokraten wird der von Bernie Sanders aufgebaute Druck für eine Eindämmung der kapitalistischen Exzesse aufrecht bleiben. Zieht Clinton als erste Frau ins Weiße Haus, wäre dies Signal eines Neustarts, der vorläufig noch durch  Wahlkampfgetöse übertönt ist. International wird es  Vorbildfunktion haben, wenn eine langjährige Feministin die Supermacht Amerika führt. Ist der Zenit von Trumpismus&LePenismus und Co einmal erreicht, wird vieles möglich.