Politisch weiß man nicht sehr viel über den Thronfolger in Thailand. Er hat sicher  in der Vergangenheit  Kontakte zum Clan des linkspopulistischen ehemaligen Premierminister Taksin Shinawatra gehabt, was von den Eliten gar nicht gern gesehen wurde. Taksin lebt ja im Exil, seine Schwester ist von den Militärs vor zwei Jahren auch gestürzt worden. Die Vorstellung, dass  der Taksin vielleicht begnadigt wird und wieder zurückkehren kann nach Thailand, das ist eine Horrovorstellung für die konservativen Eliten.

Jetzt konkret erscheint der Kronprinz der Kandidat der herrschenden Militärs zu sein, rund um den Premierminister General Prayut.

Aber Prayut hat gestern den Kronprinzen nicht als König ausgerufen, was ziemlich merkwürdig ist. Die Erklärung ist, der Kronprinz will noch mehr Zeit um sich auf seine neue Aufgabe vorzubereiten. Was nicht wahnsinnig glaubwürdig ist,  weil der Tod des Königs ja nicht überraschend gekommen ist.

Niemand weiß, wie lange sich der Kronprinzip Zeit lassen will, oder vielleicht auch Zeit lassen muss, weil es irgendwo Widerstand gibt gegen ihn. Da ist irgendetwas nicht glatt gelaufen in Bangkok.

Thailand ist in Trauer, es gibt keine Anzeichen von Unruhe auf den Straßen. Aber dass ganz offensichtlich gibt es Sand im Getriebe beim Ablauf der Thronfolge. Und Unsicherheit in der Staatsspitze kann sich ein Land wie Thailand längere Zeit sicherlich nicht leiste. Bei tiefen sozialen und politischen Gegensätzen.

Paradox ist ja, dass bis zur Thronbesteigung des Thronfolgers Vajiralongkorn sein größter Gegenspieler Regent ist, der Vorsitzende des Königsrates, ein ehemaliger Premierminister, Ex-Premier Prem.

Der Thronfolger hat heute bei den Trauerfeierlichkeiten eine ganz zentrale Rolle. Aber wenn es noch länger dauert, bis er selbst den Thron besteigt, dann kann sich rasch Unsicherheit breitmachen in Thailand.

Es gelten ja drakonische Gesetze gegen Majestätsbeleidigung in Thailand, die von der Militärregierung noch verschärft wurden. Da kann natürlich niemand recherchieren über die Königsfamilie, weder über die handelnden Personen noch über den sagenhaften Reichtum des Königshauses, das über ein Milliardenschweres wirtschaftliches Imperium verfügt, mit Banken, Immobilienbesitze, natürlich auch karitativen Einrichtungen.

Diese Geheimnistuerei führt natürlich zu vielen Spekulationen, die oft übertrieben sein werden.

Aber eines muss man auch sagen: es gibt kaum jemand in Thailand, dem irgendetwas Gutes  über den Kronprinzen einfällt. Der Mann ist zutiefst unpopulär und er stellt damit einen denkbar scharfen Kontrast zum verstorbenen König dar.

Ob der Kronprinz diese Rolle der Identifikationspersönlich, des Versöhners je spielen wird können, die Bhumibol gespielt hat, wird von vielen bezweifelt.

Die von den Streikräften geschriebene Verfassung sieht zwar Wahlen vor, aber sie ist gleichzeitig so wenig demokratisch, dass eine Partei, die Wahlen gewinnt, dann gar nicht sicher sein kann, an die Regierung zu kommen.

Die Machtfaktoren, die in Thailand das Sagen hatten waren immer das Militär, die Hierarchie der Klöster und der buddhistischen Mönche und das Königshaus. Die haben sich alles ausgemacht. Aber jedesmal, wenn es etwas mehr Demokratie gegeben hat, ist ein zusätzlicher Faktor dazugekommen: die ärmeren Teile der Bevölkerung, die als Wähler gegen die konservativen Eliten gestimmt haben und den  Linkspopulisten um den bereits erwähnten Milliardär Thaksin zum Erfolg geführt haben. Das war die letzten 15 Jahre so. Wenn das Königshaus geschwächt ist, weil vielleicht ein unpopulärer König da ist, dann kann viel in Bewegung kommen.

Thailand war eigentlich immer prowestlich. In der Zeit des Indochinakrieges klar auf der Seite der USA.

Aber die Militärregierung unter General Prayut macht etwas ganz anderes. Thailand nähert sich China an und geht auf Distanz zum Westen. Aus den USA und Europa kommt eine  Kritik an der Junta, nicht wahnsinnig stark, aber doch so, dass es die Generäle stört. Mit  einem autoritären System in Thailand hat China keine Probleme. Im Gegenteil: es hat mehrere Fälle gegeben, in denen die Thailändische Polizei chinesische Dissidenten festgenommen hat und nach China ausgeliefert hat.

Aber wenn man sagt „die Militärs“ muss man vorsichtig sein, denn das gibt es auch ganz unterschiedliche Strömungen. Es gibt viele Anzeichen, dass die  Junta unter General Prayut keineswegs fest im Sattel sitzt, immer wieder ist die Rede von der Gefahr eines Antiputschisten Putsches von unzufriedenen Militärs.

Thailand ist ein wunderschönes Land, das auf den ersten Blick stabil und sicher erscheint, wo es aber unter der Oberfläche mächtige zentrifugale Kräfte wirken, die unter Kontrolle zu halten nach dem Tod des beliebten und auch politisch erfahrenen Königs Bumibon nicht leicht sein wird.