Das Bildnis Mao Tsetungs findet sich auf allen Banknoten Chinas. Sein Porträt hängt prominent über dem Tienanmenplatz in Peking, dem prominentesten Platz des Landes. Aber betont verhalten beging die Volksrepublik den 40.Todestag des Diktators und Revolutionär. Das Land hat sich seither total verändert, aber das politische System ist das gleiche geblieben. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Erbe des Staatsgründers bleibt nach wie vor aus, berichtet Asienkorrespondent Raimund Löw vom Geburtsort Maos in der chinesischen Provinz Hunan.

Als Mao Tsetung vor 40 Jahren starb, da hatte China 10 Jahre Kulturrevolution hinter sich. Viele Schulen und Universitäten waren geschlossen. Die gebildete Jugend war jahrelang in der Verbannung auf Land gewesen. Erst das Ableben des Staatsgründers ermöglichte die Entmachtung der maoistischen Hardliner und die abrupte Wendung zur Marktwirtschaft, die China zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde geführt hat.

Der 40.Todestag wurde vom offiziellen China betont zurückhaltend begangen. Die zentralen Medien der Partei erwähnten das Datum mit keiner Zeile.

In Parks und auf öffentlichen Plätzen organisierten Mao Fanklubs und Nachbarschaftskomitees Gedenkveranstaltungen , die von der anhaltenden Popularität des Revolutionsführers zeugten. Mao Tsetung ist nach wie vor die wichtigste Symbolfigur des Staates.

1500 Kilometer von Peking entfernt, in der Heimatprovinz Maos Hunan, versammelten sich gestern tausende Anhänger zum Treueschwur am Geburtsort des verstorbenen Revolutionärs.

Das elterliche Wohnhaus Maos im Dorf Shaoshan ist zu einer Pilgerstätte ausgebaut. Mao lernte in Hunan sehr direkt das Elend der armen Landbevölkerung kennen, obwohl seine Eltern zu den Wohlhabenden der Region gehörten.

Militärveteranen in grüner Uniform sind da, Parteimitglieder schwören dem Großen Vorsitzenden ewige Treue. Eine Besuchergruppe wirft sich vor Maostatue zu Boden, so wie das sonst nur in buddhistischen Tempeln üblich ist.

Wenn Mao noch da wäre, dann wüsste er um einiges besser, wie man mit all unseren Problemen umgehen sollte, hier, vor Maos Bild, da überkommen einen die Emotionen, sagt eine Frau.

 

Er wollte die Lebensverhältnisse der Mehrheit verbessern, ergänzt Herr Fu, der in Veteranenuniform gekommen ist.   Jetzt ist allgemeiner Wohlstand das Ziel. Dazu muss unser Land mächtig und stark sein.

Auch Mao-Imitatoren sind in Hunan vor der bronzenen Statue zu sehen, die gekonnt die huldigende Handbewegung des verstorbenen Vorsitzenden nachmachen.

Es ist eine Mischung aus Wallfahrt und Happening im Mao-Gedenkpark in Hunan.

Vor allem bei Älteren und in ärmeren Bevölkerungsschichten ist Mao-Nostalgie immer wieder anzutreffen in China. Bei den riesigen sozialen Unterschieden der modernen ist die Versuchung groß verklärt auf die egalitäre Vergangenheit zu blicken.

Die vielen Opfern, die Maos Willkürherrschaft gefordert hat, werden dagegen gerne verdrängt.