Seit einigen Tagen spuken Berichte über Nordkoreas Diktator Kim Jong Un durch die internationalen Medien. Man hat in Europa schon längere Zeit nichts mehr vom nordkoreanischen Herrscher gehört. Jetzt wurde sogar Donald Trump diese Woche bei seiner täglichen Pressekonferenz gefragt, ob er etwas von einer schweren Erkrankung Kims weiß. Trump hat verneint, aber gleichzeitig versichert, er wünscht dem Nordkoreaner alles Gute. Was ist denn von diesen Informationen zu halten, ist da etwas dran?
Die Nachricht von einer möglichen schweren Erkrankung Kim Jong Uns hat ziemliche Wellen geschlagen. Das zeigt, wie groß die Sorge ist, dass irgendwo plötzlich eine neue völlig unerwartete Krise auftauchen könnte, während alle wie gebannt auf den Coronavirus blicken. Nordkorea ist nach wie vor ein Atomstaat. Eine plötzliche Destabilisierung der Führung in Nordkorea könnte schwerwigende Auswirkungen auf halb Asien haben.
Was wirklich in der Führung in Pjöngjang passiert, dass weiß niemand.
Aber eines ist auffällig: vor 10 Tagen war in Nordkorea der wichtigste Feiertag des Jahres, der Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung, das ist der Großvater des heutigen Führers. Das ist einer der höchsten Feiertage des Jahres, mit Aufmärschen, Paraden, Feierlichkeiten. Und vor einer Woche war Kim Jong Un bei diesem Ereignis nicht dabei. Das erst Mal, so etwas hat es noch nie gegeben. Also keine Frage: da ist irgendetwas passiert.
Es hat Vermutungen gegeben, dass Kim vielleicht nicht an der Feierlichkeit teilnehmen wollte, weil er Angst vor dem Coronavirus hat, den es offiziell gar nicht gibt.
Dann hat ein südkoreanisches Onlinemedium geschrieben, nein, stimmt alles nicht, Kim Jong Un ist schwer krank, er hat eine schwierige Herzoperation gehabt und liegt schwer krank im Spital.
Das war der Ausgangspunkt für die vielen Spekulationen. Nordkorea selbst schweigt dazu, aber sowohl in Südkorea als auch in Peking haben sich Geheimdienste geäußert. Und sie haben gesagt, sie haben keine Informationen, wonach der nordkoreanische Führer in Lebensgefahr ist.
Was nur ein halbes Dementi ist, denn dass es eine Herzoperation gegeben hat für den nordkoreanischen Führer, das wird nicht dementiert. Es ist also nur ein halbes Dementi, nach dem Wissen der Geheimdienste oder nach dem Wissen, das sie preisgeben wollen.

Wie steht es grundsätzlich um die Gesundheit Kim Jong Uns? Der Mann ist ja erst 36 Jahre alt. Und wie wichtig ist es für das Regime in Nordkorea, dass er fit ist?
Nordkorea wird von der Familiendynastie der Kims beherrscht. Die Macht hat Kim Jong Un von seinem Vater geerbt, der bekam sie von seinem Vater, eben Staatsgründer Kim Il Sing. Kim Jong Un ist sozusagen als Thronfolger an die Macht gekommen. Thronfolger gibt es jetzt keinen, die Kinder von Kim Jong Un sind noch klein, an dem Mann hängt sehr viel.
Kim ist relativ jung, das stimmt. Aber er ist übergewichtig, er raucht sehr viel. Und es hat schon einmal vor ein paar Jahren ein paar Wochen gegeben, in denen er verschwunden war. Er ist dann mit Stock gegangen.
Das sagt noch nicht sehr viel darüber aus, wie stichhaltig die Informationen über eine Herzoperation sind. Aber natürlich: es war auch Kim Jong Un persönlich, der die Atomrüstung intensiviert hat und er war es auch persönlich, der die Versöhnung mit Donald Trump gesucht hat. Daher ist das Interesse an seiner Person durchaus berechtigt.
Ist es nach den Treffen zwischen Trump und Kim Jong Un je zu einer wirklichen Entspannung mit Nordkorea gekommen, oder läuft dort die Atomrüstung nicht in Wirklichkeit weiter, während sich die Welt und auch die USA um andere Themen bemühen?
Entspannung hat es gegeben, keine Frage. Nordkorea führt zwar immer wieder Tests mit Kurzstreckenraketen und Marschflugkörpern durch. Aber Langstreckenraketen werden keine mehr abgeschossen. Atomtests hat es schon vier Jahre nicht mehr gegeben.
Vor allem die Beziehungen zu Südkorea haben sich verbessert. Es gibt keine Kriegsgefahr mehr auf der koreanischen Halbinsel, was doch eine große und wichtige Veränderung ist.
Nuklear abgerüstet hat Nordkorea nicht. Es gibt weiter die Atombomben und die Raketen. Daher sind auch bei jeder Nachricht, es könnte eine Destabilisierung in Nordkorea geben, alle alarmiert.
Nordkoreas großer Nachbar ist China. In China ist der erste Ausbruch des Coronavirus passiert. Offiziell sagt Nordkorea, dass es kein Covid-19 gibt. Wie glaubwürdig ist das angesichts der Tatsache, dass ja auch in Südkorea viele Menschen erkrankt sind?
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Nordkorea frei von Corona ist. Natürlich, das Land ist extrem abgeschottet vom Rest der Welt. Persönliche Kontakte zu Südkorea gibt es keine. Von dort besteht keine Ansteckungsgefahr. Anders in Richtung China. Da hat es immer einen relativ intensiven Grenzverkehr gegeben, und auf der chinesischen Seite sind Infektionen nachgewiesen. Es ist unwahrscheinlich, dass Covid-19 sich nicht auch nach Nordkorea ausgebreitet hat.
Nordkorea hat seit einiger Zeit alle Grenzen zu China und zu Russland geschlossen, die Sorge vor dem Coronavirus ist zweifelsohne vorhanden. NGOs in Nordkorea berichten davon, dass es Präventionsmassnahmen gegen das Virus gegeben hat, mit Fiebermessungen an öffentlichen Orten. Aber aus den nordkoreanischen Medien sind solche Berichte seit einiger Zeit verschwunden.
Südkorea ist da natürlich ganz anders. Einen großen Ausbruch hat es in Südkorea bereits in der Folge der Epidemie in China gegeben, eine Zeitlang war Südkorea das Land mit den meisten Infizierten nach China. Aber durch viele Tests, die Isolation und die Überwachung von angesteckten Personen hat man dort die Situation unter Kontrolle gebracht, ohne Shutdown, wie wir das aus Europa kennen.