Bei Prognosen zum jetzigen Zeitpunkt muss man sicher vorsichtig sein, es fehlen noch aus wichtigen Ländern valide Angaben. Die Europäische Volkspartei hier in Brüssel sieht für sich einen Vorsprung von 20 Abgeordneten, das stimmt,  bei den Sozialdemokraten hat man aber eine andere Rechnung.

Klar ist: wenn es einen klaren Vorsprung für ein Parteienfamilie gibt, das bedeutet das eine starke Position des jeweiligen Spitzenkandidaten gegenüber den Regierungschefs, von denen ja einige mit dem Gedanken geflirtet haben jemanden ganz anderen aus der Tasche zu ziehen. Das wird jetzt viel schwieriger, wenn die Europäische Volkspartei klar Nummer eins bleibt.

Es war ja aus dem europäischen Blickwinken das spannendste an diesen  Europawahlen, das Experiment mit den  Spitzenkandidaten.

Was diesen Wahlkampf auch besonders  spannend gemacht hat, das war das Auftreten von  Anti-EU-Parteien, die es darauf angelegt haben den ersten Platz zu erobern. Das ist in den Niederlanden misslungen, mit einem deutlichen Rückschlag für die Rechtspopulisten. Jetzt schauen alle nach Frankreich, wo ein erster Platz für Marine Le Pen nach wie vor nicht ausgeschlossen ist.

Aber 80 Prozent der Europaabgeordneten werden aus proeuropäischen Parteien kommen,  eine überwältigende europaweite Anti-EU-Welle wird das heute kaum werden.

Es wird auf jeden Fall nicht einfacher in Europa, wenn man sich den Pendelschlag ganz nach links in Griechenland ansieht, wo die Linksaußenpartei Syriza die konservative Regierungspartei überholt hat.