Trumps nordkoreanische Wendungen erhöhen die Kriegsgefahr, 30.5.2018

Die Außenpolitik Donald Trumps bringt die engsten Verbündeten gegen Amerika auf, und das ist gut so. Angefangen haben die Europäer. Sie setzen alles daran, das Iran-Nuklearabkommen gegen den ausdrücklichen Wunsch der USA am Leben zu halten. Jetzt folgt Südkorea. Seoul will verhindern, dass der Dialog mit Nordkorea abbricht, weil in Washington die Hardliner die Oberhand gewinnen.
Südkoreas Präsident Moon ist durch Trumps Absagebrief an Kim Jong Un zum geplanten Gipfel mit dem nordkoreanischen Machthaber schwer brüskiert worden. Moon hatte das geplante Treffen in Singapur persönlich mit Trump im Weißen Haus vorbereitet. Stunden später kam die Kertwendung des US-Präsidenten, inklusive einer direkten militärischen Drohung. Die Partner in Seoul waren überrascht und schockiert. Der linksliberale südkoreanische Präsident revanchiert sich, in dem er mit Nordkoreas Kim Jong Un demonstrativ gemeinsame Sache macht. Das Tauwetter auf der koreanischen Halbinsel will er retten. Um das Chaos perfekt zu machen, tut Trump danach so, als habe es seine Absage nie gegeben.
Von den Bemühungen, das Schicksal der beiden Koreas von den Launen Amerikas unabhängig zu machen, hängt die Stabilität ganz Ostasiens ab. China und Japan sind direkt betroffen. Platzt endgültig die Idee eines amerikanisch-nordkoreanischen Treffens, könnten die Kriegsszenarien des vergangenen Jahres wieder Aktualität bekommen. Noch vor kurzem war die vorherrschende Meinung im Weißen Haus, dass sich Nordkorea durch einen präventiven US-Militärschlag eine „blutige Nase“ holen muss, um von seinem Atomprogramm abzulassen. Es waren die amerikanischen Militärs, die vor den unkalkulierbaren Risiken warnten. Dagegen wollte Trumps neuer Sicherheitsberater John Bolton schon immer gegen Nordkorea mit Waffengewalt vorgehen.
Durch die Charmeoffensive Kim Jong Uns rund um die Olympischen Winterspiele in Südkorea kamen die US-Hardliner in die Defensive. Bei seinen Anhängern schürte Donald Trump die Erwartung, dass er für Entspannung mit Nordkorea den Friedensnobelpreis bekommen könnte. Aber amerikanische Strategie ist für das geplante Gipfeltreffen in Singapur keine zu erkennen. Die Trump-Administration erwartet von Kim Jong Un die sofortige und einseitige Aufgabe seines Atomarsenals. Eine unrealistische Vorstellung. Als klar wurde, dass der nordkoreanische Herrscher zwar Verhandlungen beginnen möchte, aber nicht daran denkt seine wichtigsten Druckmittel, Atomwaffen und Raketen, einfach aufzugeben, begann Trump um sein Image als genialer Dealmaker zu fürchten.
Dazu kommt die gezielte Sabotage einer Verhandlungsperspektive durch Sicherheitsberater Bolton. Wiederholt hat Bolton vom „libyschen Modell“ beim Abbau von Atomwaffen gesprochen, obwohl er wusste, dass der Vergleich für Nordkorea inakzeptabel ist. Gaddafi hatte den USA 2003 Zentrifugen, Uran und Baupläne übergeben, mit denen einmal Waffen gebaut werden sollten. Von der Bombe war der lybische Diktator weit entfernt. Wenige Jahre später wurde Gaddafi wurde von Rebellen ermordet. Anders als Libyen damals ist Nordkorea heute eine Atommacht. Der Vergleich mit Gaddafi ist für Kim Jong Un eine Provokation. Trotzdem hat auch US-Vizepräsident Pence das libysche Beispiel angesprochen, dem Nordkorea folgen soll. Der Protest aus Pjöngjang war unvermeidlich. Für Donald Trump war die nordkoreanische Zurückweisung der Vorwand, dem Regime Feindseligkeit vorzuwerfen und den Gipfel brieflich aufzukündigen. Auf Twitter behauptet der US-Präsident inzwischen, dass nach wie vor alles möglich ist.
Der in Seoul lehrende Nordkoreaexperte Andrej Lankov meint, wenn Trump das chaotische Wirrwarr für Verhandlungstaktik hält, um den Druck auf Nordkorea zu erhöhen, dann könnten alle froh sein. Denn die Alternative ist das Abgleiten in Richtung Kriegsgefahr. Kim Jong Un wird sich allerdings durch einseitige Entwaffnung kaum der Gnade eines unberechenbaren US-Präsidenten ausliefern wollen, vermutet Lankov. Auch das Schicksal des Iran-Deals, aus dem Trump willkürlich ausgestiegen ist, haben die Nordkoreaner im Kopf.
Im Vergleich zu den abrupten Wendungen der Supermacht USA wirkt es nachvollziehbar, wie Kim Jong Un agiert. Der nordkoreanische Herrscher will auf die internationale Anerkennung eines Treffens mit Trump nicht verzichten. Scheitert der Plan zum Gipfel an Amerika, kann Nordkorea auf einen Separatfrieden mit Südkorea hoffen.
Auch die Führung im Iran setzt nach der Aufkündigung des Atomabkommens durch die USA auf einen separaten Deal mit Europa, um die Folgen eines neuen US-Wirtschaftsboykotts abzufangen.
Der Trump-Modus, in dem sich die Supermacht Amerika befindet, erhöht die Verantwortung regionaler Mächte.

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