Riskanter weltpolitischer Hochseilakt zwischen Donald Trump und Kim Jong Un

Es gehen alle davon aus, dass es tatsächlich zu einem Gipfel zwischen dem US-Präsidenten und Nordkoreas Staatslenker Kim Jong Un kommen wird, inWashington, Peking, Moskau. Aber 100-prozentig sicher kann man nicht sein. Es ist ja merkwürdig: die ganze Welt spekuliert über diesen möglichen Gipfel. Aber in Nordkorea selbst, in den nordkoreanischen Medien gibt es nichts dazu, keinen einzigen Satz.
Es ist noch immer so, dass sich die Experten die Augen reiben, weil diese Vorstellung so unglaublich ist, dass der Präsident und nordkoreanische Machthaber an einem Tisch sitzen werden und verhandeln. In ein paar Wochen.
Noch im letzten Jahren haben sich die beiden nicht nur wild beschimpft, sondern auch wirkliche Waffen gegeneinander in Stellung gebracht. Und die Gefahr eines großen Krieges in Ostasien war real.
Das Problem ist: wir wissen nicht wirklich, wie ernst dieses Tauwetter ist.
Kim Jong Un hat die Initiative. Er hat den Vorschlag zu diesem Gipfel gemacht. Aber es ist weder ein Zeitpunkt festgesetzt, wo das stattfinden könnte, noch gibt es eine Tagesordnung. Und es fehlt auch ein Ort.
Heute ist der nordkoreanische Außenminister überraschend zu einem Besuch in Schweden aufgetaucht. Das könnte ein Hinweis sein, dass dieser Gipfel in Europa stattfinden wird.
Über all das müsste verhandelt werden, zwischen den USA und NK. Aber es gibt keine gegenseitigen Botschaften und es ist nicht bekannt, ob über die Ankündigung des Gipfels hinaus irgendwelche Vorbereitungen getroffen wurden.
Wenn Kontrahenden miteinander reden, ist das immer positiv. Aber wie groß ist das Risiko, dass trotzdem etwas schief geht?
Dass Kontrahenden miteinander reden wollen, ist immer positiv. Aber ein Risiko, dass etwas schief läuft besteht. Es kann Missverständnisse geben und es kann sein, dass die Erwartungen auf beiden Seiten so unterschiedlich sind, dass sie enttäuscht werden müssen.
Gerade, weil bei solchen Gipfeltreffen die Risiken groß sind, dass eine Seite das Gesicht verliert und nachher die Konfrontation schlimmer ist als vorher, braucht man ja normalerweise Verhandlungen.
Die Diplomaten besprechen was herauskommen kann, jeder Satz wird dreimal umgedreht für Gipfelvorbereitungen. Das kann Monate dauern.
In dem Fall hat Trump die Einladung angenommen, ohne mit seinem Außenminister vorher zu sprechen und auch sich vorher mit den Außenpolitikexperten im Weißen Haus zu beraten.
Das war eine impulsive Entscheidung Trumps,.
Trump ist stolz darauf, dass er auf niemand hört und alles alleine entscheidet. Aber wenn es um so sensible Fragen geht, bei denen Atomwaffen involviert sind, wo es um Krieg und Frieden geht, ist das Risiko einer derart extremen Personalisierung der AP beträchtlich.
Trump muss nur enttäuscht sein oder wütend werden über Nordkorea, was passiert dann?
Dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un seine Atomwaffen ohne Gegenleistungen aufgibt, das kann man ausschließen. Den südkoreanischen Vermittlern, die ja den Kontakt zwischen Pjöngjang und Washington hergestellt haben, hat Kim Jong Un gesagt, dass er eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel befürwortet. Das war in der Vergangenheit immer damit verbunden, dass Nordkorea auch den Abzug der amerikanischen Truppen aus Südkorea gefordert hat. Es sind 30 000 amerikanische Soldaten in Südkorea, seit dem Koreakrieg vor 65 Jahren, als Schutz vor dem Norden, aber natürlich fühlt sich Nordkorea bedroht durch das US-Militär. Es gibt ja immer wieder auch Militärmanöver, bei denen die Amerikaner und Südkoreaner einen Angriff auf Nordkorea üben, oder die Ausschaltung der nordkoreanischen Führung.
Kim Jong Un möchte Sicherheit für seine Herrschaft, die Herrschaft seiner Familie. Das ist das entscheidende.
Wozu Nordkorea jetzt bereit erscheint, das ist ein Einfrieren seiner Atomrüstung, dass es keine Tests und keine großen Modernisierungsschritte gibt. Das wäre schon ein großer Fortschritt, bis zu einer Denuklearisierung Koreas ist ein ziemlich weiter Weg.
Donald Trump hat seinen Außenminister Tillerson gefeuert, über Twitter. Auch andere hohe Mitarbeiter in Washington stehen möglicherweise vor der Ablöse. Diese personellen Unsicherheiten wirken sich auch auf die amerikanische Außenpolitik und die Stellung Amerikas in der Welt aus, denn es herrscht ziemliches Chaos im Weißen Haus.
Man muss sich das einmal vorstellen: es gibt jetzt keinen Außenminister, für mehrere Wochen, weil der Nachfolger Tillersons noch Hearings im Senat absolvieren muss. Es gibt niemand im State Department, der sich führend mit Korea beschäftigt, weil der zuständige Spitzenbeamte vor kurzem das Handtuch geworfen hat. Es gibt auch keinen amerikanischen Botschafter in Südkorea, der Posten ist unbesetzt.
Der zukünftige Außenminister ist ja der bisherige CIA-Chef, der immer als Superhardliner aufgetreten ist, auch gegenüber Nordkorea.
Diplomatie erfordert viel Fingerspitzengefühl, das hat mit Geduld und diplomatischem Know How zu tun. Von all dem hält Trump nichts. Das personelle Chaos in Washington trägt zu der Vorstellung bei, dass die USA mit dieser Führung die Welt dabei sind, die Welt zu destabilisieren.
Wenn es ganz anders laufen würde und es eine echte Entspannung mit Nordkorea gibt, wäre das in dieser unsicheren Situation natürlich eine gute Nachricht. Es wäre ein Erfolg, den Trump für sich beanspruchen könnte – darum wird er das wohl versuchen. Aber sicher kann niemand sein, bei der Sprunghaftigkeit in der US-Außenpolitik unter Trump.

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