Die chinesische Hauptstadt ist seit heute früh in eine dichte Smogwelle gehüllt, die sich in einem Umkreis von mehreren tausend Kilometern im Nordosten Chinas ausgebreitet hat. Seit dem Wochenende herrscht die Warnstufe rot. Es ist  der höchste Smogalarm, den es während des ganzen Jahres bisher gegeben hat.

So viele Atemmasken wie heute waren in Peking noch nie zu sehen. Es gibt das billige Basismodell, von dem man nicht genau weiß, ob es wirklich hilft, bis zum Hightechgerät, das mit einem tragbaren Lufreinigungsapparat verbunden ist. An den belebten Kreuzungen verschwindet das Rotlicht im Dunst. Sogar der Soldat der chinesischen Volksarmee, der vor dem Ausländerblock, in dem sich das ORF-Büro in Peking befindet, hat einen Atemschutz bekommen. In vielen Büros laufen die Luftreinigungsgeräte auf Hochtouren. 200 Flüge mussten wegen der schlechten Sichtverhältnisse in der chinesischen Hauptstadt abgesagt werden.

Die Warnstufe rot gilt seit dem Wochenende für den gesamten Nordosten Chinas,  450 Millionen Menschen sind betroffen.  Seit dem Wochenende dürfen nur Autos mit abwechselnd gerader oder ungerader Nummerntafeln auf die Straße. Kindergärten und viele Schulen haben geschlossen. Tausende Baustellen und  Betriebe mussten zusperren. Aber die Behörden klagen, dass viele Bestimmungen nicht eingehalten werden.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Obergrenze beim Feinstaub von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der aktuelle Durchschnittswert in Peking ist 20 Mal so hoch.

Die Behörden sagen seit Jahren, sie führen einen Krieg gegen den Smog. Aber sehr erfolgreich ist dieser Kampf offensichtlich nicht. Vielen Kohlekraftwerke, die Strom erzeugen und im Winter auch für die Beheizung gebraucht werden, haben noch immer keine ordentlichen Filter.

Früher musste man sich für eindeutige Messwerte auf die Veröffentlichung der amerikanischen Botschaft in Peking stützen. Inzwischen werden auch die Ergebnisse  offizieller Messungen veröffentlicht, und sie sind um nichts besser.

In den lebendigen chinesischen Medien läuft eine offene Diskussion, wie es denn zu diesem Desaster kommen konnte.  Die politische Führung hofft, dass der öffentliche Druck auf Lokalbehörden und Unternehmen die Lage auf die Dauern verbessern wird. Allen ist bewusst, dass der ungesunde Dunst in den Straßen der Preis für das atemberaubende Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten 30 Jahre ist, mit dem fertigzuwerden eine Aufgabe von vielen Jahren sein wird.