Nach Angaben des südkoreanischen Militärs hat Nordkorea über Nacht vier Raketen in Richtung Japan abgefeuert, die vor der japanischen Küste entfernt niedergingen. Die Tests erhöhen die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel, wo gleichzeitig die jährlichen Militärmanöver zwischen den USA und Südkorea stattfinden.

Die Raketen sind 1000 Kilometer weit geflogen, in einer Höhe von 260 Kilometern über dem Meeresspiegel. Abgefeuert wurden sie nach südkoreanischen Angaben von einem Satellitenzentrum im Nordwesten Nordkoreas, nicht sehr weit von der chinesischen Grenze entfernt. Niedergegangen sind sie 300 Kilometer vor Japan, in einer Meeresregion, die von Japan als Wirtschafszone beansprucht wird.

Die USA, die fast 30 000 Soldaten in Südkorea stationiert haben, sagen, es waren keine Interkontinentalraketen, von denen befürchtet wird, dass sie einmal auch die Westküste der USA erreichen könnten.

Überraschung ist der Raketenabschuss keine. In Südkorea laufen die jährlichen Militärmanöver mit den USA an, die regelmäßig zu heftigen Gegenmaßnahmen des Nordens führen.

Die südkoreanische Regierung will beschleunigt ein von den USA geliefertes Raketenabwehrsystem THAAD aufstellen, das von China heftig kritisiert wird. Die Regierung in Peking befürchtet, dass die hochgerüsteten Radaranalagen des geplanten Raketenabwehrsystems nicht nur nach Nordkorea, sondern auch tief nach China blicken werden. Das gesamte militärische Kräfteverhältnis der Region würde durch die Aufstellung von Thaad verschoben. Die geplante Aufrüstung Südkoreas belastet die ursprünglich guten Beziehungen zwischen Seoul und Peking schwer.

In Südkorea und Japan werden die nordkoreanischen Test als unmittelbare Bedrohung empfunden. Gleichzeitig schwächen sie auch die Position Chinas in der Konkurrenz zu den USA und ihren Verbündeten.

Hinter der Häufung von Tests, sowohl Atomtests als auch Raketentests, steht offensichtlich eine klare Prioritätensetzung von Kim Jong Un, dem jungen nordkoreanischen Führer. Er setzt ganz auf Nuklearrüstung, da werden riesige Mittel dafür eingesetzt und das hat gewirkt. Die  nordkoreanischen Ingenieure  haben offensichtlich große Fortschritte gemacht, trotz der internationalen Sanktionen und der Isolation des Landes.

Politisch will Kim Jong Un die Herrschaft seiner Dynastie auf Dauer sichern, die Bomben sind eine Art Rückversicherung. Denn ein Land mit Atomwaffen wird niemand angreifen wollen und destabilisieren wollen, so ist das Kalkül.

Südkorea ist extrem beunruhigt. Es sind ja nicht nur Raketentests im Norden, jetzt ist auch noch der Mord am Halbbruder von Kim Jong Un in Malaysia dazugekommen, dass man sich bedroht fühlt.

Die Regierung in Seoul will sich noch stärker als bisher an die USA anlehnen und gemeinsam mit den Amerikanern ein eigenes Raketenabwehrsystem aufbauen, das Schutz vor nordkoreanischen Aktionen bieten soll.

Dieses Raketenabwehrsystem soll jetzt noch schneller gebaut werden, als ursprünglich geplant. Aber es ist politisch umstritten. Die Meinungen sind geteilt. Die Regierung ist ja konservativ, die Opposition in Südkorea ist linksliberal und sagt, man sollte mehr auf den Norden zugehen und verhandeln und dieses Raketenabwehrsystem mit den Amerikanern erst einmal verschieben.

Es ist eine sehr angespannte Situation in Südkorea.

Die USA haben schon unter Obama versucht, das nordkoreanische Atomprogramm durch massive Cyberattacken zu zerstören, das ist in den letzten Tagen bekannt geworden. Offensichtlich sind sie gescheitert, die amerikanischen Geheimdienste haben die Sicherheitsmauer des isolierten Regimes nicht durchbrechen können.

Die höchste Alarmstufe für die USA wäre es, wenn Nordkorea es nicht nur schafft Atombomben zu bauen, sondern auch Interkontinentalraketen. Mit nordkoreanischen Interkontinentalraketen, die es bisher nicht gibt, könnte eine Atombombe gegen die Westküste der USA eingesetzt werden. Für Trump wäre das der absolute Alptraum.

Gute Optionen gibt es für Washington keine. In China würde man es am liebsten stehen, wenn man sich darauf einigt die nordkoreanische Atomrüstung einzufrieren. Wenn man also sagt, die bestehenden Bomben kann Kim Jong un behalten, aber er darf keine neuen Bomben mehr bauen und auch keine neuen Raketen bauen.

Aber dazu müsste es überhaupt einmal einen Kontakt zwischen der Trump Administration und der nordkoreanischen Führung geben, zu dem ist es bisher nicht gekommen.

Am chinesischen Volkskongress ist die Koreapolitik offiziell

kein Thema, im Hintergrund natürlich schon. China lehnt das nordkoreanische Atomprogramm ab, will aber gleichzeitig auch verhindern, dass Südkorea aufrüstet, weil man fürchtet, dass ein neues hochmodernes amerikanisches Radarsysteme nicht nur gegen Nordkorea gerichtet sein wird, sondern auch tief nach China blicken würde.

Die chinesische Regierung steckt in einer Zwickmühle.

Nordkorea ist eine Schwachstelle in der chinesischen Außenpolitik. Die Nordkoreaner zeigen permanent, dass sie sich um die Meinung des großen Nachbarn wenig scheren.

Peking könnte natürlich den Druck auf Nordkorea noch verstärken. Es sind jetzt die Kohlegeschäfte gestoppt waren, man könnte überhaupt alle Energielieferungen unterbinden.

Aber dazu gibt es keine Einigung in der chinesischen Führung. In Peking fürchtet man, dass bei einer Destabilisierung Nordkoreas der ganze Nordosten Chinas betroffen sein könnte, durch Flüchtlingsströme oder gar kriegerische Verwicklungen

Peking will eine Wiederaufnahme von internationalen Verhandlungen mit Nordkorea, zu denen ist es bisher aber nicht gekommen.