Der ukrainische Krieg mit Russland heizt sich auf. An ein stabiles Nordafrika ist nicht zu denken. Der Eiertanz um Griechenland gefährdet Europa.  Amerika, die globale Supermacht mit Interessen in allen Krisenherden, wendet sich jedoch nach Asien. Das Pentagon verschärft den Ton im Inselstreit mit Peking im Südchinesischen Meer.  Das FBI stilisiert einen Hackerangriff auf  die persönlichen Daten von  amerikanischen Staatsbeamten zum Exempel  chinesischer Bedrohung. Ausgerechnet die Führungsmacht USA ist dabei die Welt noch unsicherer zu machen durch ihre scharfen Töne gegen China.

   Aus europäischer Sicht sind die Amerikaner völlig übertrieben auf China  fixiert. Deutsche, Franzosen und sogar  Briten ziehen  stille Geschäfte mit dem Reich der Mitte einer lautstarken Auseinandersetzung vor.   Aber gleichzeitig hat  im Fernen Osten  der Kampf um eine neue Weltordnung begonnen, bei dem die USA in erster Reihe stehen.

     Kern der Auseinandersetzung ist die Rivalität zwischen China als stürmischer,  neuer  Großmacht und der aus dem Zweiten Weltkrieg rührenden traditionellen Führungsrolle der USA im pazifischen Raum. Chinas Präsident  Xi Jinping, der starke Mann in Peking,  muss in ganz Asien  Nummer eins  sein, um international nach vorne aufzurücken.    Der chinesische Anspruch verstört Japan, Indien und  andere asiatische Nachbarn. Die Ängste vor einem  selbstbewussten China erweitern den Spielraum für Amerika. Trotz ihrer Rückschläge im Nahen Osten sind die USA in Asien gefragte Bündnispartner.

  Sogar Vietnam, das bis heute  an amerikanischen Zerstörungen leidet, sucht die Nähe zu Amerika.  Demonstrativ breitete die Regierung in Hanoi Ende Mai dem  Hardliner und ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten John Mccain  den roten Teppich aus. Mccain hat als junger Soldaten Bombenangriffe gegen Nordvietnam geflogen, wurde abgeschossen und verbrachte viele Jahre in Kriegsgefangenschaft in Hanoi. Jetzt hilft der republikanische Senator dem ehemaligen Kriegsgegner  zu amerikanischen Waffen. Für alle Fälle, sollte der Streit Vietnams mit dem großen Bruder China wieder einmal kriegerisch eskalieren.

  Wie Washington damit umgeht, auf dem asiatischen Kontinent  wieder  eine gefragte Supermacht zu sein, ist alles andere als vielversprechend.

   Die Atolle und Riffs im Südchinesischen Meer liegen einen halben Erdball von Washington DC entfernt. Trotzdem lud das Pentagon  ein Fernsehteam  zu einem demonstrativen  Aufklärungsflug über die umstrittenen Spratly Inseln ein. CNN filmte mit, als ein Funker der chinesischen Marine den amerikanischen Flieger  aufforderte, das  chinesische Hoheitsgebiet zu verlassen.   Was der US-Pilot nicht tat, weil sich die Maschine nach amerikanischer Ansicht  im  internationalen Luftraum  befand. Passiert ist nichts, aber die amerikanische Öffentlichkeit kennt jetzt einen neuen Streitpunkt mit China.

  Für Peking gehört die Welt der Atolle  im  Südchinesischen Meeres immer schon zum eigenen Territorium.  Die gleichen Ansprüche erheben die Philippinen, Vietnam, Indonesien, Malaysia und Taiwan.  In unterschiedlicher Intensität untermauern alle Staaten ihre Gebietsansprüche durch den  Ausbau von Korallenriffs zu echten Inseln.  China  errichtet Hafenanlagen und Landebahnen, die auch militärisch genutzt werden können.

  Im Südchinesischen Meer geht es um Öl- und Gasvorkommen, die unter dem Meeresgrund liegen.  Geopolitisch noch wichtiger sind die Handelsströme durch die umstrittene Region. Ein großer Teil der Ölimporte aus dem Nahen Osten passiert auf dem Seeweg das Südchinesische Meer. Wer die   Region   kontrolliert, kann im Kriegsfall die Energieversorgung des Gegners blockieren. Peking fürchtet, dass die USA mit ihren philippinischen Verbündeten  China   den Ölhahn abdrehen könnte. Japan hegt ähnliche Ängste, falls China in der Region die Oberhand behält.

    China macht zwar die größten Territorialansprüche geltend und entwickelt die intensivste Bautätigkeit. Aber über  die stärksten militärischen Mittel  verfügen die USA, obwohl sie selbst das Gebiete nicht für sich beanspruchen.  China setzt  vor allem auf wirtschaftliche Expansion. Für die USA ist   die eigene militärische Vormacht der wichtigste Hebel dem chinesischen Einfluss entgegen zu treten.

    Es ist eine riskante Konstellation. Wenn Sicherheitsexperten und Militärs das Sagen haben, tritt   die größte langfristige Stärke der USA zurück: multikulturelle Vielfalt  und  wirtschaftliche  Innovationskraft. Der Soft Power der amerikanischen Demokratie hätte die chinesische KP  wenig entgegen zu setzen. Wenn allerdings  Drohgebärden im Vordergrund stehen, ob in der Internetspionage, in der Luft oder auf  hoher See, dann sind nationalistische Gegenreaktionen unvermeidlich. In amerikanischen Präsidentschaftswahlkämpfen hat China-Bashing Tradition. Militärische Hardliner und populistische Wahlkämpfer drohen den amerikanischen Focus auf Asien in die Sackgasse zu führen.