Mit dem wachsenden zeitlichen Abstand sind die Gedenkfeiern zum 11.September in den letzten Jahren ein bischen zur Routine geworden. Doch diesmal, zum fuenften Jahrestag, vergegenwaertigt sich Amerika von Neuem den Schock, den die Anschlaege von New York und Washington ausgeloest haben. In vielen Schulen hat es schon letzte Woche Gedenkveranstaltungen gegeben. Staedte und Gemeinden im ganzen Land, die Opfer zu beklagen haben, ehren die Toten unter grosser Anteilnahme der Bevoelkerung.

Seit Tagen gibt es in der oeffentlichen Diskussion nur ein Thema: wie hat sich das Land veraendert seit diesen fatalen Stunden. Und: sind die USA jetzt sicherer vor terroristischen Angriffen, als damals? Der Paresident, der in den vergangenen Jahren an diesem Tag diskrete Zurueckhaltung geuebt hat, ist diesmal allgegenwaertig. Heute abend steht eine Kranzniederlegung auf Ground Zero in New York bevor. Morgen wird George Bush an all jenen Orten sein, an denen Opfer zu beklagen waren: in New York bei den Schweigeminuten von Ground Zero, um der beiden Einschlaege zu gedenken in den Tuermen des World Trade Center. Dann fliegt Bush nach Shanksville in Pennsylvania, der Absturzstelle des vierten gekaperten Flugzeugs. Schliesslich wird er beim Pentagon in Washington DC erwartet, dem dritten Schaupklatz der Terrorwelle. Am Abend wird es eine der seltenen Fernsehansprachen des Praesidenten an die Nation geben. Im Weissen Haus betont man, dass der Praesident eine nachdenkliche Rede halten wird, jeder parteipolitische Streit solle vermieden werden an diesem Tag.

Aber die Frage wie genau die Regierung auf die terroristische Bedrohung reagiert hat, ist fuenf Jahre nach den Anschlaegen umstrittener denn je. George Bush moechte die politische Uhr zurueckstellen, um zur Stimmung vor dem Irakkrieg zurueckzufinden, vermutet die Washington Post. Osama Bin Laden hat zwar nicht mehr die Infrastruktur, wie zu den Zeiten der Talibanherrschaft in Afghanistan. Viele seiner Mitstreiter sind tot oder gefangen. Aber der Irak erwies sich nach dem amerikanischen Einmarsch als wichtiges neues Rekrutierfeld fuer islamische Extremisten, so die Kritiker der Regierung. Immerhin: neue Anschlaege in den USA, wie man das in den Tagen nach dem 11.September befuerchtet hat, gab es keine. Die Regierung sieht darin den Beweis, dass Amerika heute sicherer ist, als damals. Nationale Sicherheit bleibt in den USA auch fuenf Jahre nach den Anschlaegen das beherrschende Thema.