Ein halbes Jahr nach dem Amtsantritt Emmanuel Macrons sind die Abnützungserscheinungen des französischen Präsidenten erstaunlich gering. Macron hat gute Umfragewerte, die Zustimmung liegt bei über 50 Prozent. Das ist selten in Frankreich und selten überhaupt in der Welt. Donald Trump liegt knapp über 30 Prozent. Man hat den Eindruck, dass mit Macron sich die Stimmung gedreht in Frankreich. Die Öffentlichkeit ist zuversichtlicher geworden, es ist nicht mehr diese düstere Atmosphäre, wie zuvor im Land. Und das, obwohl er eine ganze Reihe von Reformen durchgesetzt hat, die eigentlich gar nicht populär sind in Frankreich.
Rund um seinen 40.Geburtstag selbst hat es allerdings einiges an Stirnrunzeln gegeben, weil Macron schon am letzten Wochenende mit seiner Familie in einem Loireschloss gefeiert hat.
Und die Loireschlösser, das sind die Symbole der Könige in Frankreich. Das ist heftig kritisiert worden und als Zeichen der Abgehobenheit.
Aber natürlich auch Kritik, vor allem, dass er zu autoritär ist zu abgehoben. Selbst einmal als Jupiter bezeichnet, das wird jetzt ironisch wiederholt, nehmen im doch viele übel.
Die verbesserte Wirtschaftslage ist sicher ein Faktor für seinen bisherigen politischen Erfolg. Und das hat weniger mit Macron zu tun, weil sich seine Reformen erst viel später auswirken werden.
Aber es hat schon mit seiner Linie zu tun, denn er hat ja gesagt, Frankreich soll unbedingt beim Euro bleiben und in der EU bleiben, und nur ja nicht tun, was die rechtsextreme Marine Le Pen will, nämlich aus dem Euro austreten. Das hat sich als richtig herausgestellt. All diese Stabilisierungsmaßnahmen der EU, der Zusammenhalt des Euro, das hat sich offensichtlich als richtig herausgestallt und Macron baut darauf auf, er hat ja eine ausgeprägt proeuropäische Linie verfolgt.
Was ihm hilft ist seine unglaubliche Energie, Macron ist überall präsent, in allen Bereichen scheinbar immer einen Zug voraus gegenüber allen anderen zu sein.
Und er hat politisch viel Glück, weil er keine wirklich gefährlichen innenpolitischen Gegner hat. Natürlich gibt es die Konservativen, die Linken, auch die rechtsextreme Nationale Front – aber die sind alle in großen Schwierigkeiten, da gibt es überall riesige interne Streitereien. Die Partei Macrons hat die absolute Mehrheit im Parlament und setzt diese Mehrheit auch ein, die Franzosen haben das Gefühl die Blockade der letzten Jahre wird überwunden, und das kommt gut an.
Es gibt zwei Arten von Kritik an Macron . Einerseits die Kritik, dass Macron abgehoben ist und autoritär regiert. In der von ihm gegründeten Partei, da bestimmt nur er. Innerparteiliche Demokratie ist es ja in vielen Parteien nicht so toll bestellt. Aber in der Macron-Partei ist es ein bisschen extrem. Wie der Präsident den Parteichef von oben eingesetzt hat, da sind gleich aus Protest ein paar Dutzend Mitglieder ausgetreten.
Macron hat sich selbst einmal halbironisch mit Jupiter verglichen, den obersten Gott in der römischen Götterriege, das sagen viele, der Mann hat keine Ahnung, wie das Volk lebt, der ist völlig abgehoben.
Dann gibt es natürlich viele enttäuschte Linke, die gemeint haben, Macron hat zwar eine unabhängige Partei gebildet, aber in Wirklichkeit ist er ein Linker. Das ist sicher nicht der Fall. Linksliberal ist er vielleicht, aber eben auch gerade in der Wirtschaftspolitik ist liberal und nicht sozialdemokratisch oder links. Viele Gesetze, die er durchbringt, laufen auf eine Förderung der Finanzwelt hinaus. Vergleichbar mit Schröder oder Tony Blair, aber ohne sozialdemokratische Allianz mit Gewerkschaften.
Kritik kommt auch von NGOs und Flüchtlingsorganisationen wegen seines harten Kurses gegenüber Migranten und Flüchtlingen.
Aber wie gesagt, den guten Umfragewerten tut diese Kritik keinen Abbruch und Macron hat ja noch viereinhalb Jahre zu regieren.

Die Außenpolitik ist zusätzlich eine der großen Stärken des Präsidenten. Man hat das Gefühl er ist wie ein Wirbelwind unterwegs, einmal in Osteruropa, dann Saudi Arabien, dann in Afrika.
Macron hat es geschafft auch mit Donald Trump ein gutes persönliches Verhältnis aufzubauen, er hat den amerikanischen Präsidenten im Sommer ja zur Parade am französischen Nationalfeiertag nach Paris eingeladen, aber ohne ihm nach dem Mund zu reden. Etwas in der Frage der Klimapolitik, wo Trump ja das Pariser Klimaabkommen aufkündigt, da hat Macron deutlich die ganz andere europäische Linie vertreten.
Frankreich hat in der Außenpolitik jetzt eine Führungsrolle in Europa. Das gefällt den Franzosen natürlich auch – die Briten verabschieden sich, Deutschland steckt im Schlammassel einer schwieriger Regierungsbildung. Angela Merkel ist nicht wirklich handlungsfähig zur Zeit. Da glänzt der junge französische Präsident ganz besonders.
Und man muss sagen, er macht das auch sehr gut. Seine Idee einer Art Neugründung der EU, das man sich überlegt wie Europa seine Stärken besser und effizienter zusammenlegen kann, ist ja auch an alle anderen EU-Staaten gerichtet. Damit war er aber bisher nicht sehr erfolgreich. Die Reaktionen in Berlin sind verhalten, in anderen EU-Staaten auch, da dominiert eine gewisse EU-Skepsis.
Das jugendliche Alter Macrons und seine charismatische Persönlichkeit werden rund um seinen 40.Geburtstag immer wieder erwähnt in der französischen Presse. Wichtig ist natürlich auch die ungewöhnliche First Lady, Brigitte Macron, das ist die frühere Französischlehrerin Macrons, in die er sich verliebt hat als Schüler und die er dann Jahre später geheiratet hat. Brigitte Macron ist 25 Jahre älter als der Präsident, ihre Eleganz ist sprichwörtlich. Dass Macron seine ehemalige Lehrerin geheiratet hat gilt als Zeichen für die Hartnäckigkeit, mit der der Präsident Ziele verfolgt, die er sich einmal gesetzt hat, gegen alle Hürden.
Macron insziniert sein Privatleben für die Öffentlichkeit in einer Weise, die oft nach billiger PR aussieht.. Es gibt Bilder und Reportagen aus dem Privatleben. Seine Frau Brigitte hat ja Enkeln, von den Kindern aus ihrer früheren Ehe, und ganz Frankreich weiß, dass der junge Präsident ein guter Opa ist.
Macron war ja sehr viel in seinem Leben, er war Banker, er aber auch war Mitglied der Sozialistischen Partei. Und er ist unglaublich versiert in vielen Bereichen. Mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel diskutiert er über deutsche Philosophie, bei der er sich auskennt, er kennt sich auch in der Musik aus und ist ein Tausendsassa.