Es hat sich die Situation in Afghanistan in den letzten Wochen dramatisch verschlechtert. Diese furchtbaren Anschläge in der Hauptstadt Kabul sind ein Zeichen dieser Verschlechterung. Sogar einen Krankenwagen haben die Terroristen eingesetzt, der ist von Selbstmordattentätern auf einem belebten Platz unweit der niederländischen Botschaft in die Luft gejagt worden, da hat es hunderte Tote gegeben.

In der Hauptstadt Kabul haben ja die Taliban keine Kontrolle. Aber jetzt Klima der Angst geführt, wie es das schon lange nicht gegeben hat.

Am Land ist die Situation in vielen Regionen so, dass es Stellungen der offiziellen Streitkräfte gibt, dass es die offizielle Polizei gibt, auch in den Dörfern. Aber ein paar hundert Meter außerhalb der Dörfer stehen die Taliban, die haben Verwandte im Dorf, die kennen die Dorfältesten und sie beeinflussen, was in den Dörfern passiert.

Es gibt auf dem Land in Afghanistan zum Beispiel fast keine Mädchenschulen mehr, weil die Taliban Druck auf die Familien ausüben und die sich nicht mehr trauen die Töchter in die Schulen zu schicken.
In den Städten ist das anders, aber dort lebt nur eine Minderheit der Bevölkerung. Das ist ein tragische Rückwärtsentwicklung, mit der das Land konfrontiert ist.

Es gibt manchmal Zusammenarbeit und manchmal auch Konkurrenz zwischen den Taliban und dem sogenannten Islamischen Staat und damit zwischen den verschiedenen Gruppen von Dschihadisten.

Die Taliban sind eine Bewegung, die ursprünglich von afghanischen Flüchtlingslagern in Pakistan ausgegangen ist. Da hat immer der pakistanische Geheimdienst eine wichtige Rolle gespielt, was die Geheimdienste aus Pakistan mit ihren Waffen, ihren Agenten in Afghanistan tun, das ist immer ganz wichtig.

IS, der Islamische Staat, ist ein Import aus der arabischen Welt, mit Kämpfern aus verschiedenen Teilen der islamischen Welt, die nicht paschtunisch sprechen, nicht farsi oder eine andere afghanische Sprache sprechen.

Die sind nicht zu Hause in Afghanistan und sind daher leicht zu manipulieren, etwa für Selbstmordanschläge.

Der afghanische Präsident Ashraf Ghani ist ein hochgebildeter Mann. Er hat an amerikanischen Universitäten gelehrt, er hat in der Weltbank gearbeitet, er kennt sich mit Wirtschaftsfragen aus und er war Rektor an der Universität in Kabul.

Aber seine Wahl war umstritten vor 4 Jahren. Es hat Vorwürfe gegeben, dass getrickst wurde und geschummelt wurde, was nicht ungewöhnlich ist in einem so chaotischen Land. Und es mussten der damalige amerikanische Außenminister vermitteln, damit er akzeptiert wurde.

Präsident Ghani steht jetzt vor einer extrem schwierigen Situation. Er kommt aus der paschtunischen Volksgruppe, das ist die größte Nationalität in Afghanistan, aber er wird auch dort angefeindet.
Er muss eine schwierige Balance zwischen den verschiedenen Volksgruppen schaffen, das alles in einer Phase dieser brutalen Offensive der Taliban. Es kommt zur Zeit sehr viel zusammen in Afghanistan.
Die USA spielen eine ganz entscheidende Rolle. Es gibt etwa 10000 ausländische Soldaten in Afghanistan, der größte Teil kommt aus den USA. Diese Soldaten stützen die Zentralregierung.

Begonnen hat diese Offensive der Taliban mit der Ankündigung des früheren Präsidenten Obama, dass sich die USA weitgehend aus Afghanistan zurückziehen werden. Da haben die Taliban ihre Chance zu einem Comeback gewittert.

Jetzt muss Donald Trump entscheiden, schickt er wieder mehr Soldaten, um ein Debakel zu vermeiden und die Lage zu stabilisieren, oder riskiert er eine schmähliche Niederlage für die USA?

Der amerikanische Intervention in Afghanistan ist jetzt 16 Jahre her – es ist der längste Krieg, den die USA je geführt haben.
Es gibt Millionen Flüchtlinge in den Nachbarstaaten, in Pakistan, im Iran, in der Türkei. Viele haben in den letzten Jahren die Hoffnung aufgegeben, dass sich die Situation in Afghanistan so stabilisiert, dass sie zurück können. Und viele versuchen mit allen Mitteln nach Europa zu kommen.
Viele sind total entwurzelt, kommen selbst aus Flüchtlingslagern , habe schreckliches erlebt und psychisch Schaden genommen an dieser afghanischen Katastrophe.
Etwa 40 000 afghanische Flüchtlinge schätzt man, gibt es in Österreich. Die meiste strengen sich an, sich zurecht zu finden, aber natürlich gibt es gibt viele Probleme. Viele Flüchtlinge sind Jugendliche, junge Burschen, die nie eine Schule besucht haben.
Umstritten sind Abschiebungen von Afghanischen Flüchtlingen, NGO kritisieren das, wird aber gemacht von EU Staaten .
Weil man sagt: es gibt auch sichere Regionen in Afghanistan. 700 Afghanen sind aus Österreich im letzten Jahr zurückgeschickt worden. Das ist eine ziemlich große Zahl.
Ob das so bleiben wird angesichts der Verschlechterung Situation in Afghanistan, das wird man sehen. Es ist schwer vorstellbar. Es ist eine Frage der Humanität, wie Europa mit der Extremsituation der Afghanen umgeht.