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Nordkoreas Atomwaffen werden technisch immer besser – sie garantieren Kim Jong-Un das politische Überleben. Vor dem Hintergrund der Atomverhandlungen mit dem Iran zeigt Nordkorea, welche Folgen es haben kann, wenn internationale Abrüstungsbemühungen scheitern.  Die Welt kennt den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un als den skurrilsten Staatschef des Planeten. Sein Land ist abgeschottet von Südkorea und von der restlichen Welt. Weil Nordkorea Atombomben baut, ist es seit Jahren scharfen Sanktionen der internationalen Gemeinschaft ausgesetzt. Aber das Regime lässt die Sanktionen kalt. Seine Atomwaffen werden technisch immer besser und sie garantieren Kim Jong-Un das politische Überleben. Vor dem Hintergrund der Atomverhandlungen mit dem Iran zeigt Nordkorea, welche Folgen es haben kann, wenn internationale Abrüstungsbemühungen scheitern. Die internationalen Nuklearexperten sind sich einig: Kim Jong un, der exzentrische Diktator, verfügt inzwischen wahrscheinlich über 10 Atombomben. Vor kurzem ist den nordkoreanischen Ingenieuren auch ein großer technischer Sprung nach vorne gelungen: die Bomben sind so klein, dass sie auf Raketen gut zu montieren wären. Die Hoffnung, dass Pjöngjang dazu gebracht werden kann, auf die Bombe zu verzichten, muss man fahren lassen, argumentiert Andrei Lankov, ein führender Nordkoreaexperte in Südkorea: So lange die Familie Kim in Nordkorea an der Macht ist, wird es keinen Abbau der Atomwaffen geben , so der Experte der Kookmin-Universität in Seoul. Die 100 Familien, die das Land regieren, sind in ihren 45 Wohnghettos völlig abgeschottet, von ihren eigenen Bürgern genauso, wie vom Rest der Welt. Dabei lebt die nordkoreanische Elite nicht luxuriös. Sie haben ein Auto und können jeden Tag Fleisch essen. Aber in ihren Wohnungen gibt es alle paar Stunden kein Fließwasser. Sie haben einen Computer, aber kein Internet. Wenn ein paar hundert Meter entfernt Bauern verhungern, ist das den Herrschenden in Nordkorea völlig egal, meint Nordkoreaexperte Andrej Lankov. In den letzten Jahren hat sich allerdings trotz der Sanktionen die Wirtschaftslage eher verbessert, weil die Planwirtschaft gelockert wurde. Die Atomwaffen sind für die nordkoreanische Herrscherdynastie der Kims eine Art Rückversicherung gegen Umsturzversuche aus dem Westen. Damit diese Abschreckung auch wirkt, muss Kim ein Restrisiko offen lassen, dass er die Waffen auch einsetzen könnte. Dieses gezielte Spiel mit der eigenen Unberechenbarkeit erklärt die Provokationen und Zwischenfälle zwischen Nordkorea und Südkorea. Wenn die Nordkoreaner glauben, dass sie Spannungen brauchen, werden sie Provokationen setzen. Wenn sie glauben, dass sie keine Spannungen brauchen, werden sie sich ruhig verhalten. Niemand kann sie beeinflussen, sie sind im Wesentlichen unangreifbar, völlig unangreifbar sagt Lankov. In Südkorea fährt die konservative Präsidentin Park Gün Hey einen harten Kurs gegen den Norden. Kim Jong Un ist kein Partner, wir sehen ihn als Feind an, sagt der Der südkoreanische Abgeordnete Byounggug Jung von der Saenuri Regierungspartei. Dass es Atomwaffen gibt und sie ständig weiterentwickelt werden, das ist eine ständige Gefahr für Korea. Noch vertrauen Südkorea und Japan auf den amerikanischen Atomschutzschild. Eigene Atombomben werden keine entwickelt. Außenpolitikexperte Andrei Lankov glaubt trotzdem, dass das nordkoreanische Beispiel Schule machen wird. Die Welt muss sich auf ein neues nukleares Zeitalter einstellen, sagt Lankov. Nordkorea zeigt: ein armes Land mit einer halbwegs ausgebildeten Wissenschaftlern und dem politischen Willen, kann es schaffen. Auch andere Länder werden diesen Sprung tun. Ja, wir stehen vor einer riskanten Welt. Weder frühere Verhandlungen, noch harte internationale Sanktionen haben die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel vermindert.