Kuba: Eine Insel im Würgegriff von Donald Trump, Falter 17.2.2026 

 

Kuba erlebt die schwerste Krise seit den Anfängen der Revolution unter Fidel Castro vor 65 Jahren. Strom gibt es nur wenige Stunden am Tag. Es sind kaum noch Busse  unterwegs, die Straßen bleiben leer. Schulen haben geschlossen. Air Canada bringt keine Touristen mehr ins Land, weil die Versorgung mit Kerosin nicht garantiert ist.  Am Malecon, der Hafenpromenade der Hauptstadt mit den eleganten Palästen, gehen die Lichter aus. Das Gesundheitssystem, einst der Stolz der Insel, kollabiert. Patienten müssen Medikamente mitbringen, wenn sie versorgt werden wollen.

  Der kommunistische Parteichef und Staatspräsident Miguel Diaz-Canal hat den Notstand ausgerufen. Der Nachfolger des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro und seines Bruders Raul Castro, klingt streckenweise verzweifelt, aber Bereitschaft zur Kapitulation lässt er keine erkennen. Ausgelöst wurde die Notlage durch die Trump-Regierung, die Kuba wirtschaftlich erdrosseln will. Seit der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro verhindern die USA die lebenswichtigen Erdöllieferungen aus Venezuela. Auch Mexiko hat die Transporte eingestellt, seit Trump mit exorbitanten Zöllen droht.

   Die amerikanische Regierung macht kein Hehl daraus, dass sie in Kuba die  Führung entmachten will, so ähnlich wie in Venezuela durch den Überfall auf Präsident Maduro vor wenigen Wochen. Erpressung um eine für Washington unliebsame Regierung zu entmachten ist ein brutaler Schritt, der Alarm auslösen sollte. Anders als zu den Zeiten Fidel Castros, als Kuba Heimstätte für linke Revolutionäre war, geht von der geschwächten Insel nicht mehr der Funken einer Gefahr für die nationale Sicherheit der USA aus. Es geht Trump darum ein Exempel zu statuieren und ein für allemal die Idee der Rebellion gegen ein Diktat der Supermacht zu ersticken.

 Die Europäer täten gut daran, sich gegen die verschärfte Blockade der Karibikinsel durch die USA auszusprechen, ganz unabhängig davon, was man von der Herrschaft der Kommunistischen Partei Kubas hält. Wer weiß, ob Trump nicht auch außerhalb der westlichen Hemisphäre gegen unliebsame Regierungen mit ähnlichen Erpressungsmethoden vorgehen wird?

  Seit dem Einzug von Fidel Castro und Che Guevara in Havanna 1958/59 versuchen die USA durch ihre Wirtschaftsblockade einen konterrevolutionären Regimewechsel zu erzwingen. 1962 scheiterte eine CIA-Invasion in der Schweinebucht. Das Regime überstand das Ende der Sowjetunion und den Tod des Comandante en Jefe Fidel Castro. Sollte Trump der Regimewechsel gelingen, an dem so viele seiner Vorgänger gescheitert sind, dann wäre für den Republikaner ein riesiger Erfolg.

  Als Fidel Castro starb, gab es Feiern bei den Exilkubanern in Florida. Man glaubte an ein rasches Ende der revolutionären Diktatur. Die Familien der ehemaligen Oberschicht träumten davon, dass sie enteignetes Eigentum zurückbekommen würden. Die Erwartungen sind kleiner geworden. Der Exodus auf Kuba umfasst inzwischen alle Bevölkerungsschichten. Allein seit der Pandemie sind eine Million Kubaner geflohen.

 US-Außenminister Marco Rubio  gilt als Architekt von Trumps Lateinamerikapolitik. In Washington munkelt man, dass für den selbst aus einer kubanischen Familie stammenden Politiker Venezuela die Blaupause für einen Umsturz in Kuba sein könnte. Nach diesem Modell würden die USA für Havanna einen sanften Übergang zu Marktwirtschaft und Mehrparteiensystem bevorzugen, ohne spektakuläre Konterrevolution. Verhandlungen der US-Regierung mit der kubanischen Führung finden tatsächlich statt. Für eine bevorstehende  Kapitulation der Parteiführung gibt es jedoch keine Anzeichen Jeanette Habel, eine französische Expertin, könnte sich eine Wirtschaftsreform vorstellen, die Investitionen aus der Diaspora ermöglichen. Politische Gefangene, insgesamt 1000, könnten freikommen.

  92-jährig ist Raul Castro, der Bruder des Maximo Leader Fidel, noch immer ein wichtiger  Machtfaktor hinter Präsident Diaz-Canel. Die kubanische Führung hat eine historisch gewachsene Identität, die um vieles stärker ist als die vom Militär Hugo Chavez geprägte Regierungspartei in Venezuela. Ein kubanisches Pendant zur  provisorischen Präsidentin Venezuelas Delcy Rodriguez,  die bereit scheint alle Anweisungen Trumps zu befolgen, wird schwer zu finden sein.

  Mitte Jänner wurden die Särge mit den 32 getöteten kubanischen Beschützern Maduros mit militärischen Ehren in Havanna empfangen. Die oberste Führung der Insel war anwesend. Mit zehntausenden Teilnehmern wurde die Trauerfeier zu einer antiimperialistischen Kundgebung wie in alten Zeiten. An die Stelle der einstigen Träume von einem Sieg ist die Hoffnung der kubanischen Revolutionäre getreten schlicht zu überleben.

ZUSATZINFORMATIONEN

Sechs Jahrzehnte Kubakrise

150 Kilometer von Florida entfernt galt Kuba bis 1958 unter Diktator Batista als Heimstätte für Mafiosi und Ort der Bordelle und Spielhöllen. 1958/1959 zogen die siegreichen Revolutionäre unter Fidel Castro und Che Guevara in Havanna ein. Der Schlagabtausch mit den USA begann mit der gescheiterten Invasion des CIA in der Schweinebucht 1961. 1962 ging die Welt in der Kubakrise nur knapp einem Atomkrieg zwischen USA und UdSSR. Das US-Wirtschaftsembargo gegen Kuba wurde unter Obama gelockert, aber später wieder verschärft.