Der Börseneinbruch in China hat Anfang des Monats weltweite Verunsicherung in der Finanzwelt ausgelöst. Auch in Europa und den USA gab es massive Einbußen. Die Aktienmärkte haben sich zwar vorläufig stabilisiert. Aber die Suche nach den Ursachen läuft. Die chinesische Regierung gibt falschen Gerüchten die Mitschuld. 197 Personen  wurden bestraft, darunter ein bekannter Wirtschaftsjournalist.

Nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua befindet sich der Wirtschaftsjournalist Wang Xiaolu der angesehenen Finanzzeitschrift Caijing unter den Festgenommen.  Er soll zugegeben haben durch die Verbreitung unüberprüfter und falscher Informationen Panik und Unruhe an den Aktienmärkten hervorgerufen zu haben.  Auch ein Beamter der chinesischen Wertpapieraufsichtsbehörde und vier Manager des größten Wertpapierhändler wurden festgenommen.

  165 Wertpapierkonten wurden wegen der Verletzung von Börsenvorschriften gesperrt.

  Die Beschuldigten sind nach Angaben der offiziellen chinesischen Nachrichtenagentur geständig, weil sie, Zitat „Panik ausgelöst haben und  die Öffentlichkeit fehlgeleitet haben.“  In der Folge sei es zu Unruhe im Aktienmarkt und in der Gesellschaft gekommen. Das Vertrauen der Anleger sei  untergraben worden und es gab große Verluste für die Investoren und den Staat.

  Dass jemand wegen des Börsenkrachs in Peking in den Tod gesprungen sei, sei eines der falschen Gerüchte gewesen, schreibt Xinhua.

  Die chinesische  Polizei-Sicht auf die extremen Börsenschwankungen der letzten Woche ist ziemlich einzigartig. Sie zeigt, wie schwer es ist eine urkapitalistische Institution wie die Börse in einem von der Kommunistischen Partei geführten Land zu etablieren.   Dass auf einen Boom, wie in die chinesischen Börsen im letzten Jahr erlebt haben, auch ein böser Absturz folgt, ist eine Erfahrung, die in der Marktwirtschaft  immer wieder gemacht wurde. Die chinesischen Staatsmedien haben jedoch im Frühjahr den Anstieg des Aktienmarktes ausdrücklich als Zeichen des Wirtschaftsaufstiegs Chinas gelobt. Gegen den ersten Einbruch zu Sommerbeginn versuchte die Regierung durch administrative Eingriffe vorzugehen. 1400 Unternehmen wurden vom Handel ausgesetzt und neue Aktienausgaben wurden untersagt.  Inzwischen  interveniert die Regierung nicht mehr so direkt auf den Märkten.

  Der chinesische Aktienmarkt ist für die Entwicklung der Realwirtschaft deutlich weniger wichtig als im Westen, weil relativ wenig Unternehmen an der Börse notiert sind.

  Der Sorge, dass die chinesische Wirtschaft in großen Schwierigkeiten steckt, tritt der Premierminister Li Keqiang entgegen. Nach einer außerordentlichen Regierungssitzung am Wochenende erklärte der Regierungschef, da Wirtschaftswachstum sei angemessen, trotz der Unsicherheiten auf den internationalen Finanzmärkten.  Der Premierminister verteidigte die jüngste Abwertung der chinesischen Währung und versicherte, im Prinzip werde der Yuan stabil bleiben.

Ein beachtliches Wirtschaftswachstum von 7 Prozent ist nach wie vor das Ziel in China, das im zweiten Quartal 2015 nach den offiziellen Zahlen auch erreicht wurde.