China wird in Zukunft eine offensivere Militärstrategie verfolgen. Das ist der Kern eines Weißbuches, das vom Verteidigungsministerium in Peking erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Besonderes Augenmerk legen die militärischen Planer auf den Ausbau der Seestreitkräfte. Ein sensibler Bereich angesichts der Grenzstreitigkeiten zwischen China und seinen Nachbarn, die ihrerseits auf Unterstützung durch die USA setzen.

  Es ist das erste Mal, dass China seine militärische Strategie der Weltöffentlichkeit präsentiert. Ähnliche strategische Planspiele werden auch von den USA regelmäßig veröffentlicht.

  China will als  Weltmacht agieren, dieses Ziel zieht sich unmissverständlich durch die knapp 25  Seiten des neuen Weißbuches. Eine aktive Verteidigungsstrategie soll es in Zukunft geben. Im Fall eines Angriffs, von welcher Seite auch immer, muss die Chinesische Volksbefreiungsarmee auch fähig sein zurückzuschlagen.

  Die bemerkenswerteste Neuerung ist der große Stellenwert, den die Marine in Zukunft einnehmen wird. Die Seestreitkräfte werden wichtiger, als die Landarmee und sie sollen nicht nur in den unmittelbaren Küstenregionen tätig sein.  China baut neue U-Boote und sogar einen Flugzeugträger.

  Der Sprecher des Verteidigungsministeriums Yan Yujun erklärt die Akzentverschiebung mit der wachsenden Unruhe durch Aufklärungsflüge FREMDER MÄCHTE in den Küstenregionen.

Es gäbe Leute, die Spannungen schüren und wir können nicht ausschließen, dass  in Zukunft jemand nach Anlässen sucht, um selbst aktiv zu werden, so der Sprecher des Verteidigungsministeriums.

  Im Südchinesischen Meer beansprucht China die Kontrolle über zahlreiche Korallenatolle und Riffe, die auch andere Nachbarn als ihr Hoheitsgebiet ansehen.

  Die USA kritisieren die chinesische Bautätigkeit auf diesen künstlichen Inseln und unterstreichen ihre Ansicht, dass es sich um internationale Gewässer und nicht chinesisches Hoheitsgebiet handelt, durch regelmäßige Überflüge.

  China will keinen Konflikt, lässt sich aber durch die Supermacht Amerika auch nicht einschüchtern, lautet die Botschaft aus Peking.

Wir hoffen, dass die USA und China gemeinsame Anstrengungen machen werden ihre jeweiligen zentralen Interessen respektieren, so der Sprecher des Verteidigungsministeriums Yang Yujun.

  Dass China die Kontrolle über die umstrittenen Spratly Inseln zu seinem Kerninteresse macht Peking unmissverständlich klar.  Am Tag des Militärweißbuches legen chinesische Arbeiter den Grundstein für zwei Leuchttürme in der umstrittenen Inselregion. 

  Überall in China wird gebaut, warum nicht auch im südchinesischen Meer, heisst es dazu in Peking.

Eine besser ausgestattete Marine soll  aber über den Inselstreit hinaus im Stande sein die chinesischen Wirtschaftsinteressen zu schützen, etwa wenn es Handelsschiffe von Piraten bedroht sind, wie zur Zeit am Horn von Afrika.

  Auch der Kampf gegen den Terrorismus und die Abwehr von Angriffen im Internet fungieren prominent im chinesischen Strategiepapier.

  China betont  seine friedlichen Absichten. Selbst bei einer zügigen Erhöhung des Verteidigungsbudgets ist die chinesische Volksarmee vom militärischen Potential der globalen Weltmacht  Amerika weit entfernt. Viermal mehr als China geben die USA für ihre Streitkräfte aus .Aber die Zeiten sind vorbei, in denen die Streitkräfte der Volksrepublik sich rein darauf beschränkt haben, das unmittelbare Territorium des Landes und die Herrschaft der Kommunistischen Partei zu schützen.  Als Weltwirtschaftsmacht ersten Ranges will China auch im Stande sein seine Interessen weit entfernt vom unmittelbaren Territorium wahrzunehmen.