| Die EU-Datenbank zu Rüstungsexporten Coarm gehört zu den wenig bekannten Statistiken der Europäischen Union. Findige Recherche förderte überraschende Zahlen für Österreich zu Tage: Die Bundesregierung gab 2024 das Okay zu Rüstungsexporten nach Israel in der Höhe von 1.113.771 Euro.Aufgelistet sind in akribischen Details: Landfahrzeuge (€ 210.496), Elektronische Ausrüstungen (€ 3.000), Waffensysteme mit hoher kinetischer Energie (€ 200.000), Gegenstände, Materialien und Bibliotheken (€ 111.248) , Ausrüstungs- und Herstellungstechnologie (€ 9.027), Technologie (€ 580.000). 2024 war das erste Jahr des israelischen Gaza-Krieges nach dem Hamas-Angriff des 7. Oktober 2023. Für Ausfuhren von Kriegsmaterial ist in Österreich das Innenministerium zuständig, für sonstige Verteidigungsgüter sowie Dual-Use-Güter das Wirtschaftsministerium. Die österreichischen Zahlen in der EU-Statistik werden von der Regierung nicht in Frage gestellt.Die Pressestelle des Innenministeriums betont jedoch, dass es keine Exportbewilligung nach Israel auf der Grundlage des Kriegsmaterialgesetzes gegeben habe.Das Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass nur ein kleiner Teil der Bewilligungen tatsächlich ausgeschöpft wurde. Der bei weitem größte Teil der Ausfuhren aus Österreich nach Israel habe ein Projekt im Fahrzeugbereich für die Armee eines EU-Mitgliedslandes betroffen. Der Endkunde sei nicht Israel gewesen, sondern ein EU-Staat. „Der Rest betraf Ersatzteile für ein Labor, Beleuchtung für (unbewaffnete) logistische Fahrzeuge und Muster bzw. Anschauungsobjekte.“ Alle gesetzlichen Vorgaben werden bei Genehmigungen beachtet.Für mehr Transparenz in der Exportkontrolle spricht sich in diesem Zusammenhang die Arbeiterkammer aus. Es bräuchte in Österreich „regelmäßige Rüstungsexportberichte, die auch andere europäische Staaten liefern“, argumentiert AK-Außenwirtschaftsreferent Aaron Gruber. „Zudem müssten bestehende strukturelle Kontrolllücken bei militärischer Verwendung von Dual-Use-Gütern dringend geschlossen werden, um Fälle wie Rotax/Gaza künftig zu verhindern.“ Die oberösterreichische Firma Rotax hatte Motoren für israelische Dohnen geliefert.Die Europäer tun sich schwer damit umzugehen, dass sich der langjährige Verbündete Israel um das Völkerrecht wenig kümmert. Ein UNO-Bericht von Generalsekretär Antonio Guterres vom 28.5. über Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt durch israelische Soldaten greift Vorwürfe auf, die seit langem von Menschenrechtsorganisationen erhoben werden. Die Schwarze Liste von Sonderberichterstatterin Pramila Patten, listet Russland, den Kongo, die Hamas auf – und jetzt auch Israel. Die wütende Gegenpropaganda der israelischen Regierung ist für die Europäer peinlich, richtet sie sich doch grundsätzlich gegen die UNO.Zu einem Eklat hatte die Misshandlung von hunderten Aktivistinnen und Aktivisten der jüngsten Gaza-Solidaritätsflotte durch israelische Sicherheitsleute geführt. Polizeiminister Itamar Ben Gvir hat die Erniedrigung der Gefangenen in einem zynischen Video in die Welt geschickt. Die Regierung in Jerusalem war peinlich berührt und distanzierte sich. Das Deutsche Außenamt verlautet, dass deutsche Staatsbürger in israelischer Haft verletzt wurden. 15 Aktivistinnen und Aktivisten berichten von sexueller Gewalt, was Israels Polizei bestreitet. Paris und Warschau erklärten den rechtsextremen Minister zur unerwünschten Person. In mehreren Ländern wurde der israelische Botschafter einberufen. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger schickte eine Protestnote an die israelische Botschaft.Die Gaza-Flottille, die zum dritten Mal unterwegs ist, ist mit 50 Booten und 430 Aktivisten eine ziemlich umfangreiche Aktion. Mit der Initiative propalästinensischer Gruppen soll die anhaltende Blockade von Gaza durchbrochen werden. Die antiisraelischen Äußerungen zahlreicher Aktivisten haben dazu geführt, dass sich europäische Minister von den politischen Zielen der Flottille distanzieren. Tatsache ist aber auch, dass die Palästina-Solidaritätsbewegung eine riesige Lücke füllt, die durch das zögerliche Reaktion der EU-Regierungen auf die laufende ethnische Säuberung gegen die Palästinenser in Gaza und der Westbank geschaffen wird. Für den in den USA lebenden israelischen Historiker Omer Bartov sind die Proteste der Europäer gegen die Misshandlung der Flotille-Aktivistinnen „außerordentliche Heuchelei“, weil die EU als Verbündete Israels die Tötung zehntausender Palästinenser in Gaza tatenlos zugesehen oder sogar unterstützt habe. Und jetzt entsetzt sei, wenn eigene Staatsbürger von Methoden betroffen sind, die für die Palästinenser Alltag sind.Vertreter der Jüdischen Gemeinden in allen Teilen der Welt haben die menschenverachtende Show mit den gefangenen Aktivistinnen durch Polizeiminister Ben Gvir verurteilt. Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Österreich, verlangt die Entfernung Ben Givrs aus der Regierung in Jerusalem. Wenn die offiziellen Jüdischen Gemeinden in Zukunft ihre Stimme auch erheben, um sich mit palästinensischen Opfern der Terrormethoden Ben Gvirs zu solidarisieren, wäre das ein wichtiger Schritt gegen die zunehmend vergiftete Auseinandersetzung um Israel und Palästina, findet |