Österreich freut sich über den 2027 bevorstehenden Einzug in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Die Lobbying Arbeit der Diplomaten und das Engagement von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger haben sich ausgezahlt. Mitgespielt weiterlesen...
Journalist und Historiker

von Raimund Löw
FALTER 46/2025, 11.11.2025

Das Schicksal der Stadt Al Faschir hat das Augenmerk der Weltöffentlichkeit auf die Katastrophe des Sudan gelenkt. Al Faschir liegt in der sudanesischen Region Darfur, die bereits vor Jahrzehnten von Völkermord bedroht war. Im Westen gab es damals eine humanitäre Solidaritätsbewegung unter dem Slogan „Save Darfur“. Heute nimmt kaum jemand Notiz davon, dass die Stadt Ende Oktober nach einer über 18 Monate dauernden Belagerung von den Militärs der Rapid Support Forces, einer der beiden Bürgerkriegsparteien im Sudan, erobert wurde. Die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet von Morden, Brandschatzung und Vergewaltigungen – und vom Angriff auf eine Geburtenklinik, bei dem 460 Menschen getötet wurden. Der Internationale Strafgerichtshof hat Ermittlungen aufgenommen.
Die Nachrichten über das Blutbad stammen vom Humanitarian Research Lab an der amerikanischen Universität Yale, das Satellitenbilder auswertet. Laut Direktor Nathaniel Raymond sind auf den Aufnahmen vom Weltall aus Leichenberge und Blut auszumachen. Raymond appelliert an Donald Trump und verlangt, dass die USA die Massaker mit F-18 Kampfflugzeugen und Drohnen stoppen.
Der sudanesische Bürgerkrieg wird von den Vereinten Nationen als schlimmste humanitäre Katastrophe unserer Zeit bezeichnet. Zwölf Millionen Menschen sind auf der Flucht, zehntausende wurden getötet. Die Zerstörung des riesigen Landes ist ein düsterer Kontrast zu dem Jubel, der 2019 beim Sturz von Langzeitdiktator Omar al-Baschir ausgebrochen war.
Nicht lange danach begannen zwei Militärfraktionen, um die Macht zu kämpfen. Die offiziellen Streitkräfte (SAF) unter Armeechef Abdel Fattah Al-Burham und die verfeindeten Paramilitärs der Rapid Support Force (RSF) unter Mohamed Hamdan Dagalo, genannt Hemeti. Die Kämpfer des Generalleutnants Dagalo sind aus den Dschandschawid entstanden, die als Reiterarmee in Darfur vor Jahrzehnten Angst und Schrecken verbreitet hatten.
Die Soldaten beider Seiten begehen Kriegsverbrechen. Die offizielle Armee unter Burham wird vom benachbarten Ägypten unterstützt, die Rapid Support Force bekommt Waffen und Geld aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kenia. Die Unterstützer beider Kriegsparteien sind Verbündete der USA.
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