Denkmalsturm in Europa und Amerika, Notizen

Die Protestbewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt seit dem Tod von Floyd George hat sowohl in den USA als auch in Europa dazu geführt, dass auch historische Denkmäler attackiert werden, wir haben das im Beitrag gesehen. Warum denn diese heftigen Attacken, die Geschichte kann man rückwirkend ja nicht mehr ändern?
Natürlich, ungeschehen kann man nichts machen. Aber wie historische Persönlichkeiten heute dargestellt werden und wie sie heute gesehen werden, das sagt immer auch etwas über die aktuelle Zeit. Wem wir einen Ehrenplatz geben, das sagt auch viel über uns selbst aus.
In Osteuropa hat man nach den demokratischen Revolutionen die Leninstatuen demontiert. Nach der Wende zur Demokratie in Spanien sind die unzähligen Denkmäler des Diktators Franco verschwunden. Da hat die Gesellschaft signalisiert, es ist eine Befreiung passiert, es beginnt ein neues Zeitalter.
Nur: mit der Sklaverei ist das nie passiert. In den USA haben ja die Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg für die Erhaltung der Sklaverei gekämpft. Da ist es schon für viele verstörend, dass in den USA Symbole der Südstaaten so populär sind. Und dass so viele Kasernen heute nach Südstaatengenerälen benannt sind, die für die Sklaverei Krieg geführt haben.
Warum ist diese umstrittene Bezeichnung amerikanischer Militäreinrichtungen weder in der Regierungszeit Barack Obamas, des ersten afroamerikanischen Präsidenten, oder noch früher in der Bürgerrechtsbewegung korrigiert worden?
Man hat gewusst, dass eine Namensänderung zu Kontroversen führen wird. Daher hat man die Diskussion auf die lange Bank geschoben.
Aber es gibt viele afroamerikanische Soldaten in den USA, denen man sagt, ihr sollt für die Freiheit kämpfen. Aber die Symbole, die verwendet werden, stehen sehr oft für die größte Unfreiheit, die man sich vorstellen kann, die Sklaverei. Ein eklatanter Widerspruch.
Daher war Pentagon bereit die Namen zu ändern, unter dem Eindruck des großen Echos der Antirassismusbewegung. Aber Trump hat das blockiert. Jetzt werden halt die Statuen von Südstaatengenerälen beschmiert oder gestürzt, als Zeichen des Protest gegen die große Kontinuität beim rassistischen Denken.
In Europa liegt die Sklaverei ja noch länger zurück als in den USA. Verleugnet man nicht die Geschichte, wenn man nach heutigen Kriterien einen Staatsmann vom Sockel stürzt, der vor 300 Jahren in einer ganz anderen Zeit gelebt hat, wie das in der britischen Hafenstadt Bristol mit dem Denkmal für Edward Colston passiert ist?
Das sind alles Entwicklungen, die nicht vom heiteren Himmel kommen, sondern denen längere Auseinandersetzungen voraus gegangen sind. Im Fall dieses Denkmals in Bristol sagen Kritiker seit langem, dass umgekehrt die Geschichte verfälscht wird, wenn man das Monument so stehen lässt. Weil der Mann seinerzeit nicht nur ein Philantrop war, der Schulen und Spitäler gebaut hat, sondern auch ein Sklavenhänder, der zehntausende Menschen verschleppt hat in Afrika und zehntausende in den Tod getrieben hat.
Ein besonders extremer Fall ist Belgien. Fast jede Stadt hat einen Park oder einen Platz, der nach König Leopold II benannt ist. Aber in Wirklichkeit war dieser König einer der größten Verbrecher der modernen Zeit, weil er im Kongo um 1900 ein Terrorregime errichtet hat, das vielen Millionen Menschen das Leben gekostet hat.
Solche Denkmäler sind zu Symbolen dafür geworden, wie sehr man verdrängt, dass so viel des Reichtums in Europa auf dem Sklavenhandel und dem Kolonialismus beruht.
In London ist die Statue von Winston Churchill vor dem Parlamentsgebäude mit Brettern vernagelt worden, weil man Schmierattacken befürchtet hat. Sieht das nicht doch stark nach rückwirkender Zensur und Bildersturm aus?
Klar, Winston Churchill wird stehen bleiben vor Westminster und er soll auch stehen bleiben, weil er das Symbol für die Zeit ist, in der sich das Vereinigte Königreich w Hitlerdeutschland entgegen gestellt hat.
Aber er war ein begeisterter Verteidiger des Kolonialismus mit allen seinen hässlichen Seiten. Hat Kolonialkriege geführt. Dass man bei großen Persönlichkeiten der Geschichte, auch Widersprüche nicht vergisst, das gehört eigentlich zu einem ehrlichen Blick auf die Vergangenheit dazu.
In USA ähnlich: Oder George Washington, der Gründungsvater der Vereinigten Staaten hat als Plantagenbesitzer in Virginia Sklaven besessen hat. Aber Washington war natürlich vor allem ein Freiheitsheld, das ist das Entscheidende. In der zum Museum umgebauten Plantage George Washingtons nicht weit von der Hauptstadt entfernt, wird auch ziemlich offen mit diesen Widersprüchen umgegangen.
Die Sklaverei war für die USA in den Anfangsjahren eine schwere Bürde und ist das für die amerikanische Demokratie auch heute noch, wie man an den aktuellen Auseinandersetzungen um Rassismus und Polizeigewalt sehen kann.

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